Verbindungen: Oderbruch – Armenien

Von Hans Christoph Geuder

Gnadauer Theologisches Seminar Falkenberg e.V.

Gnadauer Theologisches Seminar Falkenberg e.V.

H.Christoph Geuder und Dr.Andreas Baumann

H. Christoph Geuder und
Dr. Andreas Baumann

Museum zur Erinnerung an den Völkermord durch die Türken an den Armeniern

Museum zur Erinnerung an den Völkermord durch die Türken an den Armeniern

Kloster Hagbat

Kloster Hagbat

Pfarrer Ernst Lohmann

Pfarrer Ernst Lohmann

Aus dem Oderbruch gibt es Verbindungen nach Armenien: Ein Pfarrer aus Bad Freienwalde, Ernst Lohmann (1860-1936), war Gründer des Missionswerkes "Deutscher Hilfsbund für christliches Liebeswerk im Orient." Dieses besteht bis heute unter dem Namen "Christlicher Hilfsbund im Orient e.V." (www.hilfsbund.de). Pfarrer Ernst Lohmann war der erste Vorsitzende des im Jahr 1896 gegründeten Werkes. Die ersten Aktivitäten dieses Vereins fielen in die Zeit, als die Türkei sich ihrer "Armenienfrage" widmeten und das armenische Volk zwischen 1895 und 1920 fast vollständig ausrottete. Die politischen Verantwortungsträger in Deutschland traten damals nicht für die Armenier ein. Sie pflegten umfangreiche Beziehungen zum türkischen Staat und wollten diese Beziehungen nicht gefährden. Ernst Lohmann handelte hier wie ein typischer Mann aus dem Oderbruch: Er erfuhr von dem Missstand und wurde aktiv. Ein sozialer Dienst für das Volk der Armenier entstand. Außer dem Hilfsbund waren es damals nur einzelne Personen, die den Armeniern halfen. Der Hilfsbund hat seine Wurzel in Bad Freienwalde im Oderbruch. Von hier aus gingen einige seiner Mitarbeiterinnen zu den Armeniern. Sie wurden im Missionshaus Malche ausgebildet. Bei der Gründung dieser Ausbildungsstätte war Pfarrer Ernst Lohmann ebenfalls entscheidend beteiligt. Er ist mit Kurt Kretschmann (Haus der Naturpflege) in die Reihe der Männer aus dem Oderbruch einzuordnen, die ein Stück der Welt bewegt haben. Die Motivation bekam Ernst Lohmann aus seinem christlichen Glauben. Mit der Hartnäckigkeit eines Oderbrüchlers hat er dann sein Werk für die Armenier betrieben.

Später engagierte sich der "Deutsche Hilfsbund für christliches Liebeswerk im Orient" in der christlichen Mission. Ohne die Armenierhilfe zu vernachlässigen, war das Ziel nun auch Menschen im Orient mit der Botschaft von Jesus Christus bekannt zu machen. Jesus Christus betrifft alle Menschen: Durch ihn ist die Beziehung zwischen Menschen und Gott in Ordnung gebracht worden. So haben Menschen eine Zukunft, sie können auf ein Leben nach dem Tod hoffen und haben für ihr Leben auf der Erde Trost und Kraft bei allem, was ihnen begegnet. Von diesem Jesus wollte der Hilfsbund den Menschen im Orient – also im Nahen Osten - und besonders den Moslems berichten. Das Missionshaus Malche in Bad Freienwalde bildet bis heute Menschen aus, die von Jesus Christus berichten und in Kirchen und Missionen ihre Mitmenschen ansprechen. Die Ausbildung gestalten das Missionshaus Malche e.V. (www.malche.net) und das Gnadauer Theologische Seminar Falkenberg e.V. (www.gtsf.de) zusammen. An diesem Seminar war ich, H.Christoph Geuder, vier Jahre zur Ausbildung.

Einige Jahrzehnte gab es wenig Kontakt zwischen Bad Freienwalde im Oderbruch und den Armeniern. Der Sitz des Hilfsbundes verlagerte sich in den Westteil Deutschlands nach Bad Homburg und im Missionshaus Malche wurden keine Missionarinnen für den Orient mehr ausgebildet. Im Januar 2007 schrieb ich eine Hausarbeit mit dem Titel: "Die Armenische Kirche - Die Bedeutung der Armenischen Kirche für das Verständnis von Gemeinde und Ökumene". Im Rahmen dieser Arbeit lernte ich viel über das Volk der Armenier und eine der ältesten christlichen Nationalkirchen. Die Arbeit las Dr. Andreas Baumann, der aktuelle Direktor des "Christlichen Hilfsbundes im Orient e.V." und lud mich ein, ihn auf seiner nächsten Reise nach Armenien zu begleiten. So kam es zu einer neuen Verbindung zwischen dem Oderbruch und Armenien.

Anfang Oktober 2007 bereisten wir Armenien. Wir sahen uns in Jerevan das Museum an, dass an den Völkermord erinnert. Dort gibt es eine Mauer, auf der alle armenischen Städte geschrieben sind, die den Armeniern durch den Völkermord verloren gegangen sind. Auf der Rückseite dieser Mauer sind 12 Personen verewigt, die entscheidendes getan haben um dem armenischen Volk in ihrer Not zu helfen. Unter ihnen ist Schwester Hedwig Büll vom "Deutschen Hilfsbund für christliches Liebeswerk im Orient".

Im Norden Armeniens besuchten wir die Klöster Sanahin und Hagbad die zum Weltkulturerbe der UNESKO gehören. Beide Klöster haben ihren Reiz: Sie bestehen aus mehreren verwinkelt gebauten Kirchen und Hallen. Beide stehen oben auf Höhen, von denen aus sie weit zu sehen sind. Ähnlich wie diese Klöster auf den Höhen Armeniens sind auch die Kirchtürme im Oderbruch. Der Blick auf die Kirchen soll die Menschen zum Gebet anregen. Gott ist es, der Kraft und Ruhe bei ihrer Arbeit gibt. In der Nähe der Klöster übernachteten wir im Dorf Tumanian. Es ist von deutschen Kriegsgefangenen nach dem 2. Weltkrieg gebaut worden, damit die Arbeiter zweier Fabriken ein zu Hause haben sollten. Dies erinnert an die "Neu-Dörfer" im Oderbruch. Auch sie sind entstanden, um Menschen ein zu Hause in der Nähe ihrer Arbeit zu geben. Interessant wäre es zu wissen, ob einer der Erbauer des Dorfes Tumanian aus dem Oderbruch gekommen ist. Möglich wäre es.

Der Name Tumanian ist der Name eines Schriftstellers. In seinem Heimatdorf auf den Bergen gibt es ein Museum, das von ihm berichtet, so wie für Theodor Fontane eines in Schiffmühle steht. Meine Unterschrift im Besucherbuch dieses Museums besiegelt die Verbindung zwischen dem Oderbruch und Armenien durch meine Reise. In Tumanian begegneten wir Schwester Hanna Christenn, einer langjährigen Mitarbeiterin des "Deutschen Hilfsbundes für christliches Liebeswerk im Orient" und Absolventin der Ausbildung am Missionshaus Malche, die mit über 70 Jahren noch viel für die Armenier tut. Sie ließ mit Geldern von der Deutschen Botschaft Räume für eine Suppenküche ausrüsten, um die armen Menschen im Winter bewirten zu können. Gerade war sie gekommen um den Stand der Bauarbeiten zu begutachten. Sie spricht von ihren Kindern und Enkeln und meint die armenischen Waisenkinder, die sie in Anjar im Libanon groß zog und die sie wie eine Mutter behandeln. Durch ihre und meine Person gab es wieder eine Begegnung zwischen dem Oderbruch und Armenien. Mit uns begegneten sich zwei Menschen unterschiedlicher Generationen, die im Oderbruch ihre Ausbildung genossen haben mit dem Ziel christliche Mission zu betreiben. Schwester Hanna Christenn hat dies viele Jahrzehnte getan und ist nun in den letzten Jahren ihrer aktiven Zeit. Ich stehe am Beginn eines solchen Weges. Wo er mich hinführen wird ist noch offen. Nach der Reise entstand ein Vortrag. Gern lasse ich mich einladen um über die Verbindungen zwischen dem Oderbruch, mir und Armenien zu berichten.

Hans Christoph Geuder, Oktober 2008