Der Backobstdieb im Mond

Der Nix mit dem Kuchen und andere Sagen aus dem Oderbruch, herausgegeben von Joachim Winkler, Kinderbuchverlag Berlin 1986, Seite 11

Vor langer Zeit lagen um das Dorf Altreetz noch viele Gärten mit schönen Obstbäumen darin. Und hinter dem Dorf mit den strohgedeckten Fachwerkhäusern der Bauern und Fischer stand der Backofen der Gemeinde. Darin wurden nicht nur Brot und Kuchen gebacken, sondern auch das viele Obst aus den Gärten gedörrt. Das Backobst wurde später fuderweise in die nächsten Städte und nach Berlin gebracht. Wenn nun am Tage das Brot gebacken wurde, dörrte anschließend das Obst, und der Backofen wurde nur mit einem Bund Erbsstroh zugestellt.

Einst wollten zwei Fischerknechte des Nachts Backobst aus dem Ofen stehlen. Und da der Mond sehr hell schien, sagte der eine zum anderen: "Wird uns auch nicht der alte Mond verraten? Er scheint heut so hell!" Der andere aber erwiderte spöttisch: "Ich will ihn lieber mit einem Bund Erbsstroh zuhalten, damit er nichts sieht, wenn du das Obst aus dem Ofen raffst!"

Kaum hatte der zweite seine Spottrede beendet, da war er vor den Augen seines Kumpanen spurlos verschwunden. Der suchte ihn überall vergebens, bis er ihn endlich im Mond erkannte. Bis auf den heutigen Tag sieht man im Vollmond den Backobstdieb mit seinem Bund Erbsstroh in der Hand.