Pressespiegel 2011

Märkische Oderzeitung (MOZ), Mittwoch, 21. Dezember 2011

Märkische Oderzeitung (MOZ), Mittwoch, 21. Dezember 2011

Wissen ausgepackt: Die Mitglieder der Akademie für Landschaftskommunikation präsentieren ihre Arbeitsergebnisse in der Grundschule Altreetz.
© Sören Tetzlaff

Ein Koffer voll Landschaft

Von Nadja Voigt

Altreetz (MOZ) Landschaft zum Anfassen und Mitgestalten: Die Akteure der Akademie für Landschaftskommunikation des Oderbruchpavillons haben gestern in der Grundschule Altreetz ihre Projektergebnisse vorgestellt. Die Essenz ihrer Zusammenarbeit mit Schülern und Lehrern in der Region findet sich gebündelt in einem Koffer mit Arbeitsmaterialien.

Kleine Flaschen zum Abfüllen von Oderwasser, Boxen zum Aufbewahren von Bodenproben, Seile, ein Sandsack, Bildtafeln, eine Reliefkarte der Region und ein großes Oderbruch-Puzzle: Der sogenannte Landschaftskoffer, den die Akteure des Oderbruchpavillons gestern ihren Projektpartnern überreichten, ist randvoll mit Materialien zur Unterrichtsgestaltung. Die erprobten Kenneth Anders, Anne Kulozik, Almut Undisz, Charlotte Martens und Lars Fischer in Projektstunden, -tagen und -wochen in den Grundschulen Altreetz, Neutrebbin und Neuenhagen.

Landschaft erfahrbar machen hieß die Devise für die Schüler der vierten Klassen. Und zwar nicht im Frontalunterricht, sondern in Rollenspielen oder beim Geschichtenschreiben im Deutschunterricht, beim Zeichnen im Kunstunterricht, beim Nachbau ihrer Heimat im Sachkundeunterricht.

"Ich finde es toll, wenn Leute von außen kommen und bei uns Projekte machen", sagte Bärbel Deuringer, Sachkundelehrerin aus Neutrebbin. "Die Kinder wünschen sich, dass das Projekt weitergeführt wird." Mithilfe des Landschaftskoffers soll das auch in Zukunft möglich sein. "Ich habe morgen meine letzte Stunde vor Weihnachten und der Koffer ist ein schönes Geschenk für die Kinder", so die Pädagogin. "Dieses Projekt unterstützt die kindliche Neugier und arbeitet auf einer anderen Kommunikationsebene", urteilte Henry Christoph, Schulleiter in Altreetz.

Begeistert berichteten Anne Kulozik, Almut Undisz und Kenneth Anders über die inspirierende Arbeit mit den Schülern. Anders sich bedankte sich für die Zusammenarbeit mit den Schulen in diesem innovativen und bisher einzigartigen Projekt, dessen Arbeitsergebnisse Ausdruck in dem Landschaftskoffer finden. Neben präzisen Beschreibungen der erprobten Stunden finden sich darin auch neue Unterrichtsideen und Anregungen. "Die Landschaft ist nicht nur ein wichtiger Gegenstand unserer Betrachtungen, sondern auch ein wichtiges Medium", sagte Kenneth Anders. Zumal es sich mit dem Oderbruch auch um ein politisch heiß diskutierten Landstrich in Brandenburg handelt. So sei er von offizieller Stelle gefragt worden, berichtet Anders, was er Schülern noch überhaupt über das Oderbruch beibringen wolle, wo es doch eh bald entsiedelt würde.

Die landschaftspolitische Dimension des Oderbruchs möchten die Mitglieder der Akademie für Landschaftskommunikation künftig mit Schüler höherer Klassenstufen erörtern. Dazu soll es ein weiterführendes Programm geben, blickte Anders voraus. "Dabei könnte es auch um die eigene Rolle der Jugendlichen in der Landschaft und um die Frage bleibe ich hier oder gehe ich fort gehen", sagte Anders. Außerdem plant er im kommenden Jahr eine Tagung zum Thema landschaftspolitische Bildung.

 


 

Märkische Oderzeitung (MOZ), Freitag, 25. November 2011

Märkische Oderzeitung (MOZ), Freitag, 25. November 2011

24.11.2011 Praktischer Unterricht in der Grundschule Neutrebbin: Maik, Almut Undisz und Kenneth Anders (v.l.) © MOZ/Sabine Steinbeiß

Praktische Landschaftskunde

Von Sabine Steinbeiß

Neutrebbin (MOZ) „Das sieht aus wie ein Hase“, rufen die Kinder. Kenneth Anders vom Büro für Landschaftskommunikation hält eine Luftkarte des Oderbruchs hoch. Er ist zu Gast in der vierten Klasse der Grundschule Neutrebbin. Schon zum zweiten Mal.

Vor etwa zwei Wochen stellte er sein Kinderbuch „Wie ich die Nixe entdeckte und mit dem Deich nach oben rannte“ vor. Die kleine Landschaftskunde für das Oderbruch zog und zieht die Kinder sowie auch die Lehrerinnen in den Bann. „Das Thema kann in unterschiedlichen Stunden behandelt werden“, erklärt Kenneth Anders. In Neutrebbin kommt die Geschichte des Oderbruchs in Sachkunde, Deutsch, Musik und Englisch vor. Das wünschen sich der Kinderbuchautor und seine Mitstreiter: Das Thema Oderbruch soll in den Unterrichtsstoff fest verankert werden.

Mit Hilfe des Kreis-, Kinder und Jugendrings Märkisch-Oderland (KKJR MOL) ist am Donnerstag eine Intensivwoche mit Besuchen in den Grundschulen Neuenhagen, Altreetz und Neutrebbin zu Ende gegangen. „Wir nehmen dabei auch die Hinweise und Anregungen der Kinder auf“, sagt der Landschaftsplaner. Die Viertklässler sind im Unterricht mit Begeisterung dabei. Zwei auf dem Boden ausgebreitete Seile stellen die Höhenzüge rechts und links des Oderbruchs dar.

Dann wird der Sand ausgeschüttet und Hügelchen geformt. „An diesen Stellen gab es früher die Rundlingsdörfer, auch Fischerdörfer genannt“, erklärt der Kinderbuchautor.

Jeder der Mädchen und Jungen darf ein Stück am historischen Oderbruch mitbauen. Mittels Vogelfutter werden die vielen Wasserarme aufgestreut, bevor der Damm aus dunkler Komposterde die neuere Zeit beschreibt. Für den neuen Verlauf der Oder wird ein wenig getrickst, das Seil zur Seite geschoben, ein Ring für die Insel hingelegt. Nachdem der neu gegrabene Oderkanal eingedeicht und auch die Alte Oder mit Dämmen versehen war, wird das Oderbruch trocken und es entstehen Kolonistendörfer. Nach einer Schulstunde befindet sich das heutige Oderbruch vor den Viertklässlern. Die haben gespannt den Ritt durch die Jahrhunderte verfolgt.

Das Kinderbuch samt Zauberpuzzle, ebenso die Anleitung für das Oderbruch auf dem Fußboden sowie didaktische Anleitungen sollen in einen Lernkoffer münden. „Dieser soll später an Schulen ausgegeben werden“, sagt Kenneth Anders.

 


 

Märkische Oderzeitung (MOZ), Samstag, 17. Sepember 2011 / 7:33 Uhr / Red. Wriezen

Märkische Oderzeitung (MOZ), Samstag, 17. September 2011

Oderbruch-Puzzle: Die Klasse 2b probiert, die Teile zuzuordnen. © MOZ/Sabine Steinbeiß

Zweitklässler reisen mit Zauberpuzzle

Von Sabine Steinbeiß

Wriezen (MOZ) Die Landschaft des Oderbruchs haben die Schüler der Klasse 2b der Grund- und Oberschule "Salvador Allende" in Wriezen erkundet. Gemeinsam mit Anne Kulozik und Kenneth Anders begaben sie sich auf die Reise – mit dabei ein achtteiliges Zauberpuzzle.

Uwe Siebert kam am Freitag nicht mit leeren Händen. Der Bürgermeister der Stadt Wriezen hatte einen großen Karton unter dem Arm, als er den Klassenraum betrat. Darin verbargen sich 30 Bücher "Wie ich die Nixe entdeckte und mit dem Deich nach oben rannte". Kenneth Anders vom Oderbruchpavillon hat vor kurzem ein Kinderbuch veröffentlicht. Die Geschichte ist so spannend wie überraschend: Ein Junge, der im Oderbruch wohnt, bekommt zum Geburtstag von seiner Tante Tine ein Zauberpuzzle geschenkt. Es hat aber nur acht Teile, was Paul verblüfft.

Zum Erstaunen der jungen Zuhörer stellte Kenneth Anders, der zusammen mit Anne Kulozik gekommen war, das Puzz­le auf den Tisch. Zwei Schüler durften sich daran ausprobieren und schafften es, die Aufgabe gemeinsam mit ihren Mitschülern zu lösen. "Mit Hilfe des Puzzle wird im Buch das Zusammenspiel von Natur und Kultur im Oderbruch sichtbar", sagte der Autor des Buches. Das ist gemeinsam mit Anne Kulozik in den vergangenen anderthalb Jahren entstanden.

Die 28 Zweitklässler begaben sich in ihrer vierten Schulstunde - gemeinsam mit dem neunjährigen Protagonisten Paul - auf eine interessante Reise. Dabei setzten sie sich mit ihrer Umwelt, der Heimat, den Gegebenheiten auseinander. Das Buch sei als Landschaftskunde angelegt, um die Wahrnehmung der Kinder zu schulen, erklärte Anne Kulozik. Sie hat für die farbenfrohen Illustrationen gesorgt.

Hinter jedem Puzzleteil verbirgt sich ein Stück Oderbruch, beispielsweise der Himmel, die Strom-Oder, die Felder, Wälder und Gräben. Nachdem Paul dieses zusammengesetzt hat, fängt er an, es zu bemalen. "Wenn er Wolken in den Himmel malt, fliegen dieselben plötzlich an seinem Fenster vorbei", verrät Kenneth Anders. Das Zauberpuzzle verbirgt jedoch für Paul und den Leser noch mehr.

Die eine Schulstunde verging wie im Fluge. Klassenlehrerin Anke Rittau war begeistert von der Geschichte. "Das ist eine tolle Wissensvermittlung für Kinder", sagte sie. Einige traurige Gesichter gab es trotzdem, als es hieß: alle Bücher zurück auf den Lehrertisch. Denn Lisa, die kleine Schwester von Paul, hat am Ende des Buches heimlich den Deich vom Zauberpuzzle genommen ...

 


 

Märkische Oderzeitung (MOZ), Freitag, 15. Juli 2011 / 21:02 Uhr / Red. Bad Freienwalde

Blick durchs Lerchenfenster

 

Von Nadja Voigt

Gabow (moz) Eine Woche künstlerische und wissenschaftliche Arbeit liegt hinter den Teilnehmern des vom Oderbruchpavillon veranstalteten Pleinairs. Es wurden Löcher gebuddelt und Rinnen gefräst, Grasnarben geöffnet und Mikrofone in den Boden gelassen. Am Freitag präsentierten die Teilnehmer ihre Installation auf dem Feld der Agrogenossenschaft Schiffmühle der Öffentlichkeit.

In seiner Rede dankte Initiator Kenneth Anders vom Oderbruchpavillon dem Betrieb für den Vertrauensvorschuss, der ihnen das freie Arbeiten auf dem Ackerland erlaubte. Anders lud die zahlreich erschienenen Gäste ein, querfeldein zu gehen und an den einzelnen Stationen der Künstler und Wissenschaftler Halt zu machen.

Unter den Gästen war auch die Geschäftsführerin der Agrogenossenschaft, Vera Wesner. Neugierig erkundete sie mit ihren Mitarbeitern das Grasland, auf dem sonst das Futter für die Milchkühe wächst. "Wir nehmen uns ja selten die Zeit, unseren Grund und Boden so genau unter die Lupe zu nehmen", sagte Wesner. "Auch haben wir uns natürlich noch nie die Mühe gemacht, die hier wachsenden Pflanzen zu dokumentieren, die Reliefunterschiede auszumachen oder in den Boden zu hören."

Doch all dies war am Freitag möglich: Landschaftsentwicklerin Anne Kulozik ließ die Besucher durch ein Lerchenfenster – eigentlich auf Feldern künstliche angelegte Fehlstellen, die es den Tieren ermöglichen zu brüten – blicken. Klangkünstler Helmut Lemke spielte seine Hörprotokolle ab und ließ es rauschen, zischen und glucksen. Die britische Künstlerin Kerry Morrison inventarisierte den Wegesrand – vom Waschbär-Kot bis hin zu den 78 Pflanzenarten, die dort wachsen.

In der Mitte des Feldes luden Stellwände dazu ein, durch die entstehenden Sichtachsen den Blick schweifen zu lassen und dafür zu schärfen, was die Teilnehmer thematisieren wollten: Den Preis des Bodens, die landschaftlichen Strukturen, den Boden als Gegenstand von Arbeit, Konsum und Lebensraum.

<<< Dokumentation Pleinair Grund und Boden

 


 

Märkische Oderzeitung (MOZ), Mittwoch, 13. Juli 2011 / 21:05 Uhr / Red. Bad Freienwalde

Märkische Oderzeitung (MOZ), Mittwoch, 13. Juli 2011

Arbeitsbesprechung: Landschaftsentwicklerin Anne Kulozik, Kenneth Anders vom Oderbruchpavillon, der Initiator des Pleinairs in Gabow, sowie Garten- und Landschaftsarchitekt Jens Kleber (v.l.) besprechen ihre Arbeit an der Installationsfläche.

Feldversuch mit allen Sinnen

 

Von Nadja Voigt

Gabow (moz) Grund und Boden stehen im Fokus des Pleinairs. Eine Woche lang beschäftigen sich vier Künstler, vier Wissenschaftler, zwei Wasserbauingenieure sowie zwei Garten- und Landschaftsarchitekten mit den Fundamenten der Landschaft des Oderbruchs. Am Ende soll eine Installationsfläche in Gabow entstehen.

Es ist ein Pleinair für die Sinne: Künstlerhände erkunden den Boden, horchen in die Landschaft, Wissenschaftler blicken auf Feld und Flur, nehmen Bodenproben und erkunden das Ackerland. Es herrscht geschäftiges Treiben auf dem fünf Hektar großen Feld in Gabow. Die Agrogenossenschaft Schiffmühle hat es den Veranstaltern, dem Oderbruchpavillon von Kenneth Anders und Lars Fischer, zur Verfügung gestellt. Eigentlich wächst dort das Futter für die Milchkühe des Betriebes. Geschäftsführerin Vera Wesner ist auf die morgige Präsentation gespannt. "Ich finde es interessant, was dort entsteht und wie andere sich dem Thema Grund und Boden nähern", sagt sie.

Die Annäherung erfolgt tatsächlich auf sehr unterschiedliche Weise. Antje Scholz gräbt mit den Händen und legt das Ackerland frei. "Ich will den Boden zeigen, die nackte Erde", sagt die Künstlerin. Uta Steinhardt, Professorin für Landschaftsökologie in Eberswalde, hat ebenfalls die Hände in der schweren Erde vergraben. "Ich finde die Auseinandersetzung wichtig", sagt sie über ihre Motivation, an dem interdisziplinären Pleinair teilzunehmen. "Nicht nur unter ökologischen, sondern auch unter emotional-ästhetischen Aspekten." Denn ihre Bindung zum Oderbruch sei auch sehr emotional. "Ich liebe es", gibt die Naturwissenschaftlerin zu.

Unter geologischen Aspekten betrachtet Hubert Wiggering, Direktor des Leibniz-Zentrums für Agrarlandschaftsforschung in Müncheberg, das intensiv genutzte Grünland. Drei bis vier Mal im Jahr wird das Futter für die Tiere gemäht. Bodenprofile zeigen dem Wissenschaftler, wie sich Ton und Torf abgelagert haben, dass bereits in nur einem Meter Tiefe das Grundwasser steht.

„Kunst und Wissenschaft arbeiten hier ergänzend", erklärt der Professor für Geoökologie seine Faszination für das Pleinair. "Wir Naturwissenschaftler arbeiten eher analytisch, während die Künstler einen Blick für Formen und Ästhetik haben. Das ergänzt sich idealtypisch."

Eine Installation in der Mitte des Feldes soll die wichtigsten Fragen – nach dem Verkaufswert, dem Bodenwert, der Wertschöpfung und der Wertschätzung – thematisieren. "Das soll keine Agitation sein, sondern ein Feldversuch ", sagt Veranstalter Kenneth Anders. "Wir wollen die Wichtigkeit dieser Fläche thematisieren und nähern uns deshalb dem Objekt aus vielen verschiedenen Perspektiven. " Deshalb wird auch hörbar gemacht, was sonst niemand wahrnimmt: Mithilfe von Bodenmikrofonen erstellt Klangkünstler Helmut Lemke Hörprotokolle.

Die Ergebnisse des Pleinairs werden am Freitag ab 14 Uhr auf dem Feld und
im Anschluss auf der Internetseite www.oderbruchpavillon.de präsentiert.

<<< Dokumentation Pleinair Grund und Boden

 


 

Märkische Oderzeitung (MOZ), Dienstag, 07. Juni 2011 / 07:44 Uhr / Red. Seelow

Die Nixe, der Damm und der Biber

Von Nadja Voigt und Doris Steinkraus

Seelow (moz) Mit dem Buch "Wie ich die Nixe entdeckte und mit dem Deich nach oben rannte" veröffentlicht Kenneth Anders vom Oderbruchpavillon das erste Kinderbuch über das Oderbruch – und eine Landschaftskunde.

Die Geschichte ist so spannend wie überraschend: Ein kleiner Junge, der im Oderbruch wohnt, bekommt zum Geburtstag ein Zauberpuzzle geschenkt. Es hat jedoch nur acht Teile, was Paul verblüfft. Zusammen mit ihm erkunden die Leser des Buches seine Heimat, denn die Puzzleteile ergeben das Oderbruch. Und je weiter er das Puzzle zusammensetzt und ausmalt, desto näher kommt der Leser der Landschaft: dem Deich, der Oder, den Wiesen und Feldern, dem Himmel.

"Die Geschichte ist aus der Arbeit heraus entstanden", erklärt Kenneth Anders. Gemeinsam mit Anne Kulozik ist er Autor des Buches, das in anderthalb Jahren entstanden ist. "Wir stellen bei unserer Arbeit immer wieder fest, dass sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen grundlegendes Wissen fehlt", erzählt der 42-Jährige. "Wir hatten Lust, einen Impuls zu geben." Für kleinere Kinder, die die farbenfrohen Illustrationen betrachten können, für Kinder im Alter des Protagonisten Paul (9), aber auch für Jugendliche und Erwachsene, wie Anders betont. Dabei ginge es nicht nur um Heimatkunde, sondern darum, Lernprozesse und Diskussionen anzuregen. "Deshalb ist das Buch auch für den Grundschulbereich als Lehrmittel gedacht."

Anne Kulozik arbeitete bereits auf den Shetland-Inseln mit Grundschulkindern an der Erkundung ihrer Heimat mittels eines Puzzles. Die Idee griff Kenneth Anders auf und entwickelte sie für das Oderbruch weiter. Acht Teile machen das Zusammenspiel von Natur und Kultur im Oderbruch sichtbar.

Dazu lädt ein Ausmalbogen, der dem Buch beigefügt ist, ein, eigene Betrachtungen und Erkundungen zum Oderbruch anzustellen. "Auch das Malen der landschaftlichen Elemente und das Sprechen über sie sind bereits Aneignungsvorgänge", sagt Kenneth Anders.

Denn er will erreichen, dass sich schon die Kleinsten mit ihrer Umwelt, der Heimat, den Gegebenheiten auseinandersetzen. "Der Fokus liegt auf der Landschaft, dem Oderbruch", so Anders. Deshalb sei das Buch als Landschaftskunde angelegt, um die Wahrnehmung der Kinder zu schulen.

Das Buch, das in dem dafür eigens gegründeten Aufland Verlag Croustillier erscheint, hat eine Auflage von 1000 Stück. "Das Kinderbuch soll den Auftakt einer Reihe mit landschaftsbezogenen Büchern für Kinder bilden, die unter dem Titel Regioskop entwickelt wird", blickt Kenneth Anders voraus.

Martin Porath, Geschäftsführer des Gewässer- und Deichverbandes, will seine beiden Belegexemplare an eine Grundschule in Bad Freienwalde und die in Golzow weiterreichen. Der Verband hatte das Vorhaben mit unterstützt. Das Aufklärung dringend nötig ist, steht für Porath außer Frage. Selbst alteingesessenen Oderbrüchern sei oft nicht klar, dass das Oderbruch ein riesiger Flusspolder ist, in dem das Gewässersystem nur im Ganzen funktioniert. Der Verband gab einige fachliche Tipps. Martin Porath wünscht sich, dass alle Schulen von Lebus bis Bad Freienwalde das bunte Buch in ihren Bestand aufnehmen. Das bunte Plakat, mit dem für das ungewöhnliche Buch geworben wird, hat im Sitz des Gewässer- und Deichverbandes in der Seelower Feldstraße einen repräsentativen Platz bekommen.

"Wie ich die Nixe entdeckte und mit dem Deich nach oben rannte",
Aufland Verlag Croustillier, 12,90 Euro; Bestellung:Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! oder im Theater am Rand Zollbrücke

 


 

Märkische Oderzeitung (MOZ), Dienstag, 07. Juni 2011 / 06:46 Uhr / Red. Freienwalde

Märkische Oderzeitung (MOZ), Dienstag, 07. Juni 2011

Faszinierende Landschaft: Am Oderdeich lässt sich landschaftspoltische Bildung anschaulich vermitteln, fanden die an der Sommerschule teilnehmenden Studenten und Schüler.

Weiterbildung auf dem Oderdeich

Von Nadja Voigt

Schiffmühle (moz) Auch in diesem Jahr organisierte das Büro für Landschaftskommunikation eine Sommerschule. An ihr nahmen Studenten aus Dresden und Osnabrück sowie Schüler örtlicher Schulen teil. Im Vordergrund stand die landschaftspolitische Bildung.

Was wissen wir über unsere Landschaft? Wie nehmen unsere Kinder sie wahr? Was ist am Oderbruch typisch, was sind seine natürlichen, was seine kulturellen Eigenheiten? Diesen und vielen anderen Fragen stellten sich Teilnehmer der Sommerschule des Büros für Landschaftskommunikation. In Wilhelmsaue hatten die Studenten der Technischen Universität Dresden und der Hochschule Osnabrück eine Woche lang Quartier.

Bereits zum dritten Mal lud das Büro für Landschaftskommunikation aus Schiffmühle zur Sommerschule. Diesmal stand eine Studie zu einem landschaftspolitischen Bildungsprogramm für Schulen im Vordergrund. „Ziel der Sommerschule ist es, den Teilnehmern Grundeinsichten in die Landschaftskommunikation zu vermitteln“, erklärt Kenneth Anders. Denn Landschaften seien mehr als natürliche Umwelt oder künstlerischer Gegenstand. „Sie sind Produkt menschlicher Aneignung und unsere Lebensgrundlage.“

So bestand die Arbeit der Studenten darin, Schüler, Lehrer und landschaftsprägende Akteure wie Landwirte nach ihrer Wahrnehmung des Oderbruchs zu befragen. Mit dabei die Grundschulen Altreetz und Neuenhagen, das Gymnasium Wriezen und eine Arbeitsgruppe des Freienwalder Gymnasiums. „Die eigene Umweltbeschreibung fiel den Kindern gar nicht leicht“, musste Kenneth Anders feststellen. Methodische Basis für das Gespräch war ein Landschaftspuzzle, das die Kinder zusammensetzen und erweitern mussten. Dieses Puzzle und das landschaftskundliche Kinderbuch von Kenneth Anders „Wie ich die Nixe entdeckte und mit dem Deich nach oben rannte“ sollen die landschaftspolitische Bildungsarbeit der Schulen bereichern. So signalisierte die Grundschule Neuenhagen bereits, dass sie die Arbeitsmaterialien verwenden wolle.

Bei einer Landschaftsinszenierung auf dem Oderdeich nahmen 25 Erwachsene und 80 Schüler teil. In sechs Stationen erforschten und verdeutlichten sie die komplexen Beziehungen der Landschaftselemente, aber auch die Widersprüche und Konflikte, die Veränderlichkeit des Oderbruchs. An einer Station wurde so zum Beispiel von den Kindern Niedrigwasser, Drängewasser oder Qualmwasser gespielt. Danach konnten die Schüler ihre Wünsche für das Oderbruch an einen Wunschbaum am Deich hängen. Der häufigste Wunsch: Kein Hochwasser mehr. Aber auch ganz kindliche, wie „das ganze Oderbruch sollte aus Süßigkeiten bestehen“. Zum Abschluss der Sommerschule präsentierten die Teilnehmer ihre Erfahrungen im Theater am Rand im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Randthema“.

Weitere Informationen und die Ergebnisse der Sommerschule gibt es im Internet unter www.oderbruchpavillon.de

 


 

Märkische Oderzeitung (MOZ), Montag, 21. März 2011 / 07:02 Uhr / Red. Bad Freienwalde

Märkische Oderzeitung (MOZ), Montag, 21. März 2011

Premiere in Letschin: Kenneth Anders aus Croustillier präsentierte in den Heimatstuben sein neuestes Stück, einen Oderbruchkrimi. Sohn Gustav begleitete ihn am Klavier. Foto: Johann Müller

Hilde fliegt doch nach Mallorca

Von Doris Steinkraus

Letschin (moz) „12 Uhr mittags“. Man denkt an Revolver, Cowboys und harte Männer. Wenn es an diesem Tag in Neupreetz 12 Uhr schlägt, wird es um harte Jungs gehen und ein scheinbar unlösbares Problem wird sich mit einer Portion Schlitzohrigkeit, vor allem aber mit einfach zu praktizierender Zivilcourage lösen.

Kenneth Anders hat ein hochpolitisches Thema witzig, unterhaltend und zugleich nachdenklich stimmend produziert. Die Besucher in den Letschiner Heimatstuben können den Wind, der durch das fiktive Oderbruchdorf Neupreetz fegt, förmlich spüren. Hilde, die Hauptperson, ist schon nach wenigen Sätzen allen sympathisch. Sie ist Bürgerin des Jahres in ihrem Amt geworden. Ihr war das peinlich, weil sie nicht fand, dass sie solch einen Titel verdient hat. Ihr Preis sind zwei Wochen Mallorca.Um 12 Uhr soll ein Neupreetzer sie zur Bahn fahren.

Doch dann kommt der Anruf vom unbeholfenen Pfarrer. Ein schwieriger Jugendlicher sei wieder im Dorf. Hilde kennt ihn. Er hat vor vier Jahren mit anderen Kumpanen ihr Auto zertrümmert, weil sie gegen die Rowdys vor Gericht ausgesagt hatte. Nun ist er wieder da und will im Ort für sich und seine Kumpels einen Raum. Im Gemeindehaus der Kirche gibt es einen. Hilde, die Kirchenälteste, müsse nur noch zustimmen, erklärt der Pfarrer. Sofort, denn die Jungs haben ein Ultimatum gestellt – 12 Uhr mittags. Hilde hakt ihre Mallorca-Reise ab. Sie sucht Hilfe im Ort, will mit anderen beraten, was zu tun ist. Ins Gemeindehaus lasse sie die Jungs auf keinen Fall. Der Bürgermeister hebt die Schultern, die Polizei kann erst kommen, wenn was passiert, der Feuerwehrchef will damit nichts zu tun haben.

Hilde ist verärgert, hat Angst, ist ratlos. Dann ist da plötzlich Stefan, wie sie um die 60. Er ist überzeugt, dass man sehr wohl etwas tun kann, schickt Hilde nach Hause. Als um 12 Uhr vier düster dreinschauende Jungs klingeln, bekommt Hilde plötzlich viel Besuch. Eine Frau bringt Eier, der schiefe Hoschte hält mit dem Fahrrad und redet ohne Unterlass. Der nächste will den alten Autohänger von Hilde und wieder einer just um diese Zeit Schrott von ihrem Hof. Hilde wundert sich und lässt ihre Vorurteile über einige der „Zufalls-“Besucher gedanklich Revue passieren.

Allein deren Anwesenheit genügt, um die Störenfriede aus dem Konzept zu bringen. Einer nach dem anderen verdrückt sich. Hilde wird klar, dass der erste Eindruck oft trügt. In entscheidenden Phasen zeigt sich wahrer Charakter. Ob die betreffende Person nur Kittelschürze trägt, einen – ihr äußert zuwideren – betonierten Hof hat oder auf Kitsch steht, spielt dabei keine Rolle. Am Ende kann Hilde doch noch verreisen, weiß Menschen im Ort hinter sich. Gustav und Kenneth Anders erreichen mit ihrem Oderbruchkrimi das Innerste der Zuhörer. Dass sie quasi die Weltpremiere des Stücks erlebt haben, verrät ihnen Kenneth Anders erst ganz zum Schluss.