Pressespiegel 2007

Märkische Oderzeitung (MOZ), Sonnabend/Sonntag, 7./8. Juli 2007

Immer dem Wasser nach

Eine neue Fahrradroute durchs Oderbruch führt vorbei an Fischerdörfern, Schöpfwerken und Deichbefestigungen

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Silke Müller

 

 


 

Märkische Oderzeitung (MOZ), Montag, 25. Juni 2007

Märkische Oderzeitung (MOZ), Montag, 25. Juni 2007

Das Oderbruch verstehen lernen

„Wasserorte"-Radrundfahrt seit Sonnabend offiziell ausgeschildert / Informativer Tour-Führer im Internet abrufbar

Silke Müller

Trotz drohenden Regens: Rund 30 Mitfahrer waren bei der Premiere der Radrundfahrt „Wasserorte" am Sonnabend dabei. Am Wriezener Hafen, einem Anfahrtspunkt, erfuhren sie Wissenswertes über die Geschichte der Anlage. Wer sich individuell die Strecke vornimmt, kann Informationen im Internet abrufen. MOZ-Fotos (2): Silke Müller

Wriezen (MOZ) Die „Wasserorte"-Tour ist seit Sonnabend ausgeschildert, erstmals öffentlich abgefahren und damit offiziell eröffnet worden. Sie verbindet neun für das Wasserregime im Oderbruch und seine Geschichte typische Orte.

Wer mag, kann ab sofort das Oderbruch nicht nur kennen-, sondern auch ein bisschen besser verstehen lernen. Möglich macht das eine Radrandtour vom Bahnhof Wriezen zum Bahnhof Bad Freienwalde rund um den Glietzener Polder. Auf diesen etwa 45 Kilometern Länge können vornehmlich Radler (es geht ein gutes Stück über den Oderdeich, der für Kraftfahrzeuge tabu ist) neun prägnante Orte anfahren. Sie erzählen: einerseits vom Leben mit dem Wasser. Güstebieser Loose, wo einst der Durchstich zum neuen Oderkanal erfolgte und tiefgreifende wirtschaftliche Veränderungen im bis zur Trockenlegung fischwirtschaftlich geprägten Oderbruch nach sich zog. Oder der so genannte Krumme Ort, an dem 1997 der Deich zu brechen droht, weil es sich dort um einen der traditionell und wissenschaftlich erklärbar sensibelsten Deichbereiche handelt. Oder die Schöpfwerke Neutornow und Bad Freienwalde, die bei Hochwasser den Glietzener bzw. den Altranfter Polder sichern. Zum Teil finden sich am Wegesrand Schautafeln, die Näheres erläutern.

Andererseits werden Orte angefahren, die deutlich machen, wie es sich zwischen Flut und Vorflut lebt und arbeitet. Wriezen etwa, das erst Handel mit dem Fisch aus dem Oderbruch lebte, über einen Hafen gute Handelsbeziehungen aufbauen könnte und dessen florierende Geschäfte mit der Umverlegung der Oder und dem Trockenfall der Alten Oder und des Friedländer Kanals nach und nach den Bach hinuntergingen. Oder Altwriezen etwa, dem Rundlingsdorf, in dem vor der Trockenlegung Fischer lebten und sozusagen im Vorgarten rund ums Dorf mit ihren Booten anlegen konnten. Oder Neulewin, ein Kolonistendorf, dessen Häuser rechts und links eines zentralen Entwässerungsgrabens gebaut wurden, der heute noch seine Funktion hat. Oder Zollbrücke, wo Deichscharte, Dammkrug und Fährkrug schon ahnen lassen, dass hier ein - wirtschaftlich einst unabdingbarer - Durchlass für Händler und Reisende geschaffen wurde. Oder der so genannte Spitz, an dem heute die fast letzten Oderfischer ihre Netze auswerfen.

Die Teilnehmer der geführten Premieren-Fahrt hatten Glück: Lars Fischer und Kenneth Anders, die das Projekt mitinitiiert haben, erzählten Wissenswertes an den einzelnen Orten, wiesen auf Besonderheiten hin und brachten vor Ort Einheimische und Radler ins Gespräch. Prof. Joachim Quast vom ZALF in Müncheberg, der sich das Mitradeln ebenfalls nicht nehmen ließ, hatte nicht nur wissenschaftliche das Projekt unterstützt. Er gilt nach jahrzehntelanger intensiver Auseinandersetzung mit dem hydraulischen System des Oderbruchs als Experte, der davon gern etwas weitergibt.

Auch an die ersten Radler auf der Wasserorte Tour. Wriezens Bürgermeister Uwe Siebert, der die Teilnehmer beim Start in der Oderbruchstadt verabschiedete, freute sich darüber, dass mit dieser thematischen Tour im touristischen Bereich auch eine neue Verbindung zwischen Wriezen und Bad Freienwalde geschaffen worden ist. Und bei Bad Freienwaldes Tourismuschef Jens Lüdecke, der mit aufs Rad stieg, weckte die Premierentour sogar Begehrlichkeiten. Er könne sich vorstellen, auf Wunsch geführte Touren anzubieten. Noch lieber wäre es ihm aber, die Tour künftig auszuweiten und weitere Anfahrtspunkte einzubeziehen. Er denke dabei vor allem an Bereiche nördlich des Altglietzener Polders, weniger an den südlichen Teil des Oderbruchs. Zu tief steckt offenbar der Stachel, dass dort vor zwei Jahren eine kreisorganisierte Schlösser-Radtour gemeinsam mit dem Landkreis Oder-Spree erstellt wurde, die den Bereich Bad Freienwalde nicht erreicht.

Während die Touristiker über Künftiges sinnieren, kann der Radfahrer erst einmal das Vorhandene nutzen. Das Schöne: Die mit kleinen blauen Tafeln gekennzeichneten „Wasserorte" werden zwar als Anfahrtspunkte angeboten, sind aber kein Muss. Weder eine mit Wegweisern vorbestimmte Streckenführung schränken die Radfahrer beim Entdecken des Oderbruchs ein, noch ist die Richtung der Rundfahrt vorgegeben. Eine Übersichtskarte beschränkt sich auf eine grobe Orientierung. Umso detaillierter ist die Beschreibung der Wasserorte, die als kleines Begleitheftchen noch gedruckt werden soll. Wer mag, kann diesen Tourbegleiter auch im Internet abrufen. Dort ist er schon jetzt verfügbar, wenngleich er sich nicht direkt Format füllend ausdrucken lässt.

 


 

Märkische Oderzeitung (MOZ), Dienstag, 13. Februar 2007

Märkische Oderzeitung (MOZ), Dienstag, 13. Februar 2007

"Zwischen Flut und Vorflut"

 

Silke Müller

Hochwasser führen den Menschen im Bruch besonders deutlich vor Augen, in welcher Abhängigkeit sie von der Oder und ihren Launen leben, wie sehr Leben und Arbeit vom Wasser bestimmt werden. Wer hier lebt, weiß, dass das Wasser stetiger Begleiter ist, dass sich die Menschen, die im Oderbruch leben seit Jahrhunderten darauf eingestellt haben und immer wieder neu einstellen.

In diesem Jahr wird viel darüber gesprochen werden. Das 97er Hochwasser jährt sich zum zehnten Mal, das 47er Hochwasser ist 60 Jahre her. Nicht nur an Vergangenes erinnern, sondern Wissen vermitteln, um das fundierte Gespräch anzuregen - das will das Projekt "Zwischen Flut und Vorflut - Wasser und Leben im Oderbruch", das am Sonntagabend seinen Auftakt in Zollbrücke fand.

Wie sehr das Wasser die Landschaft bestimmt, wie die hydraulischen Kräfte im Oderbruch wirken, darüber hat dort im Rahmen des "Randthemas Nr 5" des Theaters am Rand Prof. Joachim Quast, der Leiter es Instituts für Landschaftswasserhaushalt am Leibnitz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung, vor rund 50 Gästen gesprochen (ausführlich in einer der nächsten Ausgaben). Er erklärte eingehend das komplexe System, das nach dem Deichbau und dem Bau des Neuen Oder-Canals vor allem Landwirtschaft im Oderbruch ermöglichte. Er beschrieb die einstigen ingenieurtechnischen Leistungen, die heute noch ihre grundsätzliche Gültigkeit haben - eine so spannende wie schwierige Materie.

Kenneth Anders und Lars Fischer vom Büro für Landschaftskommunikation wollen mit ihrem neuen Projekt versuchen, gerade diese Grundlagen vom Funktionieren des Oderbruchs Fremden zu vermitteln. "Oft genug ist es so, dass gerade Gästen, die sich entschließen, ,mal an die Oder zu fahren', die komplexe Bedeutung des Wassers für das Oderbruch verschlossen bleibt", sagt Lars Fischer. Dem soll mit nachvollziehbaren Informationen entgegengewirkt werden. "Wir haben gemeinsam mit Partnern neun Orte ausgewählt, an denen sich die vielfältige Bedeutung des Wassers veranschaulichen lässt", so Kenneth Anders (siehe Kasten). Diese Orte werden zu einer thematischen Radtour geordnet, vor Ort markiert und in einer touristisch-orientierten Begleitbroschüre beschrieben. "Vor Ort wird man keine Informationstafeln finden, weil wir diese auf Dauer wohl nicht in gutem Zustand halten können."

Am 23. Juni soll diese thematische Radtour erstmals gefahren werden. Nachgedacht wird über eine öffentliche Präsentation der Projektergebnisse - etwa an der Deichscharte in Zollbrücke. Danach finden sich die Projektergebnisse im Internet.

Kontakt:
Büro für Landschaftskommunikation
Dr. Kenneth Anders
Neutornow 54
16259 Bad Freienwalde

 


 

Märkische Oderzeitung (MOZ), Samstag, 03. Februar 2007

Zollbrücke (sm/MOZ) Noch bevor die eigentliche diesjährige Spielzeit im Zollbrücker Theater am Rand beginnt, ist das Theater am Sonntag, den 11. Februar, 18 Uhr, Veranstaltungsort für eine weitere Randthema-Debatte. Der Theaterverein hat für die fünfte Diskussion über Dinge, die das Oderbruch bewegt, jenes gewählt, das gerade in diesem Jahr besonders in den Mittelpunkt rückt: "Zwischen Flut und Vorflut - Wasser und Leben im Oderbruch."

Damit beginnt der Verein jene Debatte, die angesichts zweier Hochwasser-Jahrestage die Menschen im Bruch in diesem Jahr besonders bewegt. Oder-Hochwasser, wie sie das Oderbruch 1947 mit schweren Folgen und 1997 erlebte, haben ihren festen Platz gefunden im Gedächtnis der Menschen. Nach der Flut ist vor der Flut, heißt es. Wasser hat die Gestaltung des Oderbruchs, das Leben im Oderbruch bestimmt und wird weiterhin den Maßstab vorgeben: für Deiche, regulierte Grundwasserspiegel, durch Überschwemmungen fett gewordene Böden, für den Ackerbau, für von Entwässerungsgräben geführte Wege. Dies und mehr ist Gegenstand der öffentlichen Debatte, die Prof. Dr. Joachim Quast vom ZALF Müncheberg, Dr. Kenneth Anders vom Büro für Landschaftskommunikation und Lars Fischer vom Institut für Landschaftswasserhaushalt einleiten. Im Anschluss gibt's Musik.

 

<<< Zwischen Flut und Vorflut – Wasser und Leben im Oderbruch. Eine Fahrradroute.