Noch billiger tanken, dafür weniger heizen

Orientierungsprobleme in der Gegenwart I

Kenneth Anders, 11.02.2016

Seit Monaten sinken nun die Preise für Benzin und Diesel. Wenn ich an einer Tankstelle vorbefahre, denke ich unwillkürlich: Oh, das kostet ja immer weniger, du solltest tanken! Dann sehe ich auf die Tankanzeige und stelle fest, dass ich gerade erst getankt habe. Zwar ist der Preis schon wieder um zwei, drei Cent gefallen, aber bei zehn, fünfzehn Litern ist es Unsinn, schon wieder an die Zapfsäule zu fahren.

Nach dieser kurzen Überprüfung verwickle ich mich regelmäßig in seltsame Abwägungen. Ich frage mich zum Beispiel, ob ich nicht ein Treibstofflager für die Zeit der Teuerung anlegen sollte. Diesen Gedanken verwerfe ich dann sofort, denn erstens will ich keine stinkenden Ölfässer zu Hause haben, zweitens ist es wahrscheinlich verboten und drittens lohnte sich die Sache nicht. Selbst wenn der Treibstoffpreis um 100% stiege, müsste man doch ganz schön pfennigfuchsig sein, um ernsthaft etwas gut zumachen. Allein die Kosten für die Behälter und das Gedöns mit den Kanistern – ach, was für eine unsinnige Vorstellung!

Wenn ich das alles vor mich hin gedacht habe (und ich ertappte mich schon mehrfach dabei), frage ich mich, was das überhaupt für ein komischer Impuls ist, unbedingt diese günstigen Preise auszunutzen? Ich freue mich ja regelrecht über den billigen Sprit, dabei ist der Ölsegen doch eigentlich gar kein Grund zur Freude. Das überflüssige Herumfahren der Menschen mit Autos wird dadurch gefördert. Auch der Druck auf die Industrie, sparsame Fahrzeuge zu bauen, nimmt ab. Es ist eine Verlängerung unseres ohnehin unerfreulichen Wohlstands-Halligallis.

Aber der Impuls, die günstigen Preise auszunutzen, sitzt dennoch tief. Man wollte Energie sparen und spart nun stattdessen die Ausgaben für Energie. Sparsamkeit ist nicht gleich Sparsamkeit.

Wenn ich dann nach Hause komme, schaue ich manchmal in unsere Heizungskammer und in das Lager für die Holzpellets. In diesem Jahr ist der Füllstand erstaunlich hoch. Das liegt am überwiegend milden Winter.

Ich weiß zwar, dass man Wetter nicht mit Klima verwechseln darf, aber der Gedanke an die Klimaerwärmung drängt sich natürlich auf. Das wärmste Jahr seit Messgedenken, das ist beunruhigend. Stürme, Dürren, Starkniederschläge, all das machen wir mit den Treibhausgasen, also vor allem mit der Nutzung fossiler Energien, etwa durch das billige Autofahren. Das ist doch gruselig!
Da beruhigt es mich beinahe, dass ich in diesem Jahr weniger heizen musste, eben weil es, nun ja, wegen des Klimawandels, wärmer geworden ist. Das gleicht sich ja scheinbar fast ein bisschen aus.

Was wiederum Unsinn ist.  Es muss nur einmal irgendwo in den traurigen Regionen Welt ein Soldat mit dem Panzer zum Brötchenholen fahren, und alles ist wieder dahin.

Was für eine absurde Welt, die wir uns da gebaut haben!