Adventskolumnen

24 Gedichte zum Advent

Kenneth Anders, vom 1. Dezember - 24. Dezember 2014

 

DIE SCHULD VOM LANDE

Reisetraum und Urlaubsinsel,
Wildnis pur für Einfaltspinsel,
Shopping Mall und Ökozonen,
urban farms mit Biodrohnen:

Immer öfter hat man heute,
Gegenden, die für die Leute
leicht zu konsumieren sind,
da man sie bereinigt findt‘.

Rückstandsfrei und ohne Makel,
hochkorrekte Tabernakel,
weizenfrei und gar vegan,
ist der neue Lebertran!

Wie die Orte, so das Kaufen,
alles muss ohn` Makel laufen:
unbefleckte Bilder weben,
unschuldig das Geld ausgeben.

So ein mach-nichts-nass-Versprechen,
nicht beteiligt am Verbrechen
dieser Menschheit mehr zu sein,
gibt heut mancher Gut-Verein,

denn die Menschen in den Herden
wollen nicht erwachsen werden.
Setz die Scheuklapp‘ auf und schrei,
alles andre – einerlei!

Wer sich auf dem Land betätigt,
kriegt Schwarzweißes nicht bestätigt.
Hier das Schlimme, dort das Schöne,
und auch viele Zwischentöne.

Wenn man sich in andern spiegelt,
sieht man schnell, wie gar verriegelt,
solche Unschuld für uns ist,
denn – wir stehen selbst im Mist.

 

 

STRASSEN IM BRUCH

Fährst Du von Gabow nach Neuranft,
kann’s sein, dass sich dein Magen krampft:
Die Straß´ geht heftig auf und ab,
und hält die Stoßdämpfer auf Trab.

Fährst du von Rüdnitz jetzt nach Zäck,
bekommst du meistens einen Schreck,
denn hier kommt zu dem Berg und Tal
ein seitlicher Asphaltabfall.

Straßen wie diese gibt es reichlich,
wo einst das Wasser stand, ist weichlich
der Baugrund für die Straßenwege
(da lief man früher über Stege).

Packst du auch Steine in die Schlenken,
das könntest du dir beinah schenken,
das Zeug verschwindet tonnenweis
in fernen Tiefen und, wer weiß:

Vielleicht kommt eines Tags ans Licht,
woran es diesem Grund gebricht?
Die Tragschicht da, im Sumpf, oh Graus
kommt in Australien wieder raus!

 

 

HAUS UND LANDSCHAFT

Nachts
lieg ich wach,
die Kiebitze schreien
im Mondlicht,
Regen perlt übers Dach,
der Nebel, schwer von Mist,
trägt alle Geräusche
über die Felder.
Nebenan hör ich
das Atmen der Kinder.
Wie dünn,
die Hülle des Hauses.
Wie verwundbar
wir sind.

 

 

FIEBER DURCH CASTOR

Wirklich alles können wir:
wir brauen zum Beispiel gutes Bier,
wir waren auch schon im Weltenall,
wir sind grad Meister im Weltfußball,
wir steigern ständig die Exporte,
wir backen die beste Sahnetorte,
wir bauen beliebte Automobile,
wir haben Waschmaschinen von Miele,
wir haben die Oder umgeleitet,
wir werden von einer Frau geleitet,
wir haben modernste Landwirtschaft,
(der Naturschutz kann trotzdem kaum stehen vor Kraft),
wir haben für alles eine Regel,
wir kontrollieren jeden Wasserpegel,
wir haben die höchsten Standards,
wir haben fantastisches Kunstharz,
wir haben sogar zur Not noch Hartz vier…

Nur bei einem bestimmten Tier,
da scheint es geradezu, haben wir,
einen sozialen Totalausfall,
ja, einen richtigen Wohlstandsknall.
Denn ohnmächtig, Scholli, mein lieber,
macht uns ein pelziger Biber!

 

 

HÄNSEL UND GRETEL
Die Hexe war eigentlich eine interessante Frau

 

Hänsel und Gretel verliefen sich im Wald.
Es war so finster und auch so bitter kalt.
Sie kamen an ein Häuschen von Pfefferkuchen fein.
Wer mag der Herr wohl von diesem Häuschen sein?

Huhu, da schaut‘ eine alte Hexe raus.
Sie lockt die Kinder ins Pfefferkuchenhaus.
Die Hexe tat gar freundlich, oh Hänsel, welche Not!
Sie will dich braten im Ofen braun wie Brot.

Doch als die Hexe zum Ofen schaut hinein,
ward sie geschoben von Hans und Gretelein.
Die Hexe musste braten, die Kinder gehen nach Haus,
nun ist das Märchen von Hans und Gretel aus.

So schlimme Dinge erzählt uns die Geschicht,
Märchen und Oper und auch der Filmbericht.
Passiert ist ganz was andres, sperrt eure Augen auf,
spitzt mal die Ohren, sonst kommt ihr niemals drauf!

Gretel und Hans saßen einsam und allein,
Vater und Mutter warn fort bei Schnaps und Wein.
Es wackelt‘ bunt im Fernsehn, es dröhnt von früh bis spät,
Playstation, Rechner und allerlei Gerät.

Da fiel der Strom wohl im ganzen Stadtteil aus.
Cola war alle, sie gingen aus dem Haus
und liefen durch die Straßen, durch Siedlung und Verkehr,
bis hinterm Stadtrand verschwand das Häusermeer.

Hier führt der Weg sie direkt hinaus ins Land,
wächst nur der Mais noch, steht hoch wie eine Wand
Der Wald ist statt mit Bäumen mit Windrädern bestockt,
seltsame Wildnis, die Kinder warn geschockt!

Bald schon verirrten sich Hans und Gretelein,
wussten im Feld nicht mehr aus und nicht mehr ein.
Da sahen sie ein Häuschen, allein am Horizont,
das schien recht freundlich und immer noch bewohnt.

Zog sich ein Garten rings um das Haus herum
Möhren und Hühner, die Kinder guckten stumm.
Da öffnet sich die Türe, heraus kam eine Frau,
mustert den Hans und die Grete ganz genau.

Schön war die Frau! Nicht zu dick und nicht zu dünn,
immer beschäftigt, und summte vor sich hin.
Die Kinder hatten Hunger, sie sagte, dann mal los,
schält uns Kartoffeln, ich koche doch famos!

Ih, schrien die beiden, Kartoffeln schäln wir nicht,
wir machen hier keine Kinderarbeitsschicht!
Die Frau zuckt‘ mit den Schultern und wies ins Haus hinein:
Lebkuchen, alte, warn eigentlich für die Schwein.

Aber es half nichts, die Plätzchen waren hart,
sie schälten Kartoffeln und Rübchen, fein und zart.
Das Essen war vorzüglich, die Heiterkeit nahm zu,
endlich sie schliefen in satter, guter Ruh.

Am nächsten Morgen, da sah es traurig aus,
Hänsel und Gretel, sie mussten ja nach Haus.
Die Frau bracht' sie ins Viertel, sie fuhren mit dem Bus,
wo man zum Essen nichts vorbereiten muss.

Aber die Kinder, zwar wieder heil zurück,
denken noch immer an dieses seltne Stück,
Der Fernseher ist blass nun, die Spiele sind ein Graus,
jetzt ist das Märchen von Hans und Gretel aus.

 

Das Bilderbuch zu diesem Text mit Zeichnungen im Aufland Verlag ist übrigens gerade im Aufland Verlag erschienen.

 

 

NIKOLAUSTAG
war’s.

Also
sprang mein Kind aus dem Bett,
sauste die Treppe hinab,
zu seinen Stiefeln,
wo alles so schön bunt leuchtete,
und lachte.

Niklaus ist ein guter Mann,
sang es immer wieder,
bis es in der kleinen Fülle versank.

Bei so feiner Freude,
da kann man nicht
genug
danken.

 

 

DIE MENSCHEN,
die einst mein Haus bauten
und hier lebten;
das alte Foto zeigt sie
auf der Treppe,
arrangiert zum Gruppenbild.

Und wir,
umgeben von ihren Mauern,
leben mit ihren Dingen.

Dazu Erzählungen:
Der da blieb im Krieg.
Und der ist verschollen.
Und diese wird ´45 überstehen,
ohne dass ihr jemand was antut,
zum Glück.
Und der Onkel, auf dem Heimweg, am Zahltag,
ward beinahe abgestochen von einem,
der seinen Lohn in die Kneipe tragen wollte.
Gerettet hat ihn die dicke Wattejacke.

Armut lugt aus den Kleidern,
aber froh und freundlich
blicken sie drein.

Jeden Tag in diesem Haus
denk ich an sie.

 

 

AN MEIN KIND
Wenn ich im Mai in den Garten geh,
dann flirrt es vor meinen Sinnen,
bewegt sich alles, was ich seh‘,
als platze die Welt von innen.

Die Vögel haben flatternd zu tun,
sie bauen, brüten und füttern,
sie arbeiten ohne auszuruh‘n,
nichts kann sie dabei erschüttern.

Das Gras schießt in den Himmel auf,
als wollt‘ es zum Wald sich recken,
und alles ist in rasendem Lauf,
auf tausend besonnten Strecken.

Benommen seh‘ ich das Treiben an,
diese Heftigkeit des Lebens,
das Ordnen der Dinge nach jetzt und dann
scheint mir hilflos und vergebens.

Und nun auch du, mein süßer Schatz,
auch du hast es ja sehr eilig.
Bist hier und da in einem Satz,
kein Augenblick ist dir heilig.

Du jagst ins Glück und wohl auch ins Leid,
als gelte es eine Wette.
Ich blieb gern schützend an deiner Seit,
ach wenn ich die Macht doch hätte!

Doch halte ich nur mühsam mit dir,
meinem fixen Kindchen Schritt,
und einst bist du nicht mehr hier bei mir
sondern gehst mit anderen mit.

Wenn du dann bist im Sommer angelangt
und ich schon den Winter spüre,
so sei’s dem lieben Gott gedankt,
wenn er uns zusammenführe.

Dann singen wir zusammen fein,
das klingt bestimmt genauso
als sängen zwei liebe Vögelein
und sieh‘ da, wir sind a tempo!

 

 

WENN ICH NACHTS NICHT SCHLAFEN KANN

Hoffentlich kriege ich die Schafe
        morgen eingefangen.
              Warum antwortet Doris
                   nicht auf meine Email?
                         Ob das Programm am Sonnabend gut wird?
                   Ich freue mich drauf,
              aber vielleicht wird es ganz schlimm.
        Womöglich bin ich ein Scharlatan.
Ich hätte ein bewegliches Gatter
        für die Schafe bauen sollen.
             Ich ärgere mich über Doris.
                  Sie antwortet immer nur wie es ihr passt,
                        nie, wie es nötig ist.
                  B. hat doch auch gesagt,
             dass das Programm gut wird.
        Warum mach ich mir dann Gedanken?
Immer dieses eine Schaf.
       Das weiß ganz genau, worum es geht.
             Vielleicht ist Doris ja gar nicht da.
                    Sie könnte im Urlaub sein.
                          Diese Experimente auf der Bühne….
                    warum tu ich mir das eigentlich an?
              Ich hätte früher anfangen müssen,
         die Schafe per Hand zu füttern.
Aber Doris hätte Bescheid sagen können.
         Mach ich doch auch, wenn ich wegfahr‘.
              Wer macht eigentlich die Kasse am Sonnabend?
                   Zur Not mach ich sie selber.
                          Ist nun auch egal, eigentlich.
                   Ich sollte an was anderes denken.
               Vielleicht ist noch etwas Laub an den Büschen.
      Damit könnte ich die Schafe locken.
Doris müsste man irgendwie
      wegklicken können.
               Wir können in unserem Bewusstsein nichts wegklicken.
                    Nur gelassen sein.
                          Gelassen werd ich auf die Bühne gehen.
                    Doris einfangen.
               Die Schafe auf die Bühne.
       Die Kasse ist noch im Stall.
Bescheid.
      Locken.
            Schlafen.
                    Gelassen.
                           Hoffentlich.

 

 

DER HAHN IST TOT

Oha, mein Schatz, ich weiß es ja,
es lässt sich nicht länger vermeiden,
denn dieses schöne Hähnchen da,
muss heute den Tod erleiden.

Hellauf begeistert waren wir,
von den Frühlingsküken, den süßen!
Doch nun im Herbst müssen alle hier
den herrlichen Sommer büßen.

Zuerst natürlich der Gockelhahn,
denn der zahlt’s mit dem Leben.
Ein wenig aber sind wir auch dran,
denn wir müssen schlachten, eben.

Dies Federvieh frisst und scheißt so viel
und legt dabei Eier keine,
drum wird nun die Pfanne sein trauriges Ziel,
adé, mein Hähnchen, ich weine!

Und haben wir´s endlich doch geschafft:
Kopf ab, gerupft, ausgenommen,
dann möge ein Schnaps mit letzter Kraft
uns beiden viel besser bekommen.

 

 

ADVENT

Die Haut zu dünn,
die Tage zu dunkel,
die Augen zu müde,
der Mut zu klein,
das Zimmer zu kalt,
der Nachbar zu unfreundlich,
die Resonanz zu gering,
der Hals zu kratzig,
die Leute zu unehrlich,
die Wege zu weit,
die Kinder zu unordentlich,
der Glaube zu klein,
das Herz nicht mehr rein.

Mach alle Lichter aus,
stell alles leise,
geh nochmal raus
und mach dich
bereit
für das
Leben.

 

 

GRANITKOPPE

Das Auge an die Landschaft schmiegt
sich gern bei Gabow, denn da liegt
so ausgebreitet wie ein Tuch,
das großartige Oderbruch.

Doch nicht nur ist der Blick stromauf
des Wandrers herrlichster Verschnauf,
auch nördlich, Richtung Oderberg,
ich schauend meine Augen stärk.

Da sitz ich auf dem Trockenrasen,
und unten hoppeln ein, zwei Hasen,
der Weißdorn spendet Schatten licht,
den tollen Ort vergess ich nicht.

Und weißt du, was das Beste dran?
Zwar komm ich nicht so oft hinan,
doch seh´ ich hier vom Garten aus,
den schönen Platz tagein, tagaus.

So hat mich schon sehr oft besonnt,
der eigne Lebenshorizont,
durch einen Ort, der ist fast wie
ein Fingerzeig der Utopie.

Denn wo die Welt so mild und weich
gemahnt sie an das Himmelreich,
und ob ich hinkomm oder nicht:
die Hoffnung zeichnet das Gesicht.

 

 

RUHIG ISSET JA,
sagte Beppi,
als ich hier draußen ankam.
Ruhig isset,
als sei es das das Einzige,
was man diesem Ort
nicht absprechen konnte.
Ein schwacher Grund
für die wahnwitzige Entscheidung,
hier zu siedeln:
ruhig, sonst eigentlich nichts.

Nur Mut, Beppi,
mehr als ruhig isset!
Du bist doch da, und deine Leute
und die alten Apfelbäume,
die Vögel und Ruinen,
die Trecker und Felder!

Erzähl mir von deiner Kindheit,
wie ihr euch im Schnee zur Schule durchgeschlagen,
der Weg matschig,
und beschwerlich fast alles,
wie der Schweinestall voll besetzt war,
laut und stinkend!
Und die Leute damals,
so viele waren hier,
bevor es ruhig wurde.

Doch Beppi erzählt nicht mehr,
er ist hier draußen, wo`t ruhig is,
gestorben, an Zucker.
Und wär`s nach ihm gegangen,
wär´s nicht so ruhig gewesen,
die letzten Jahre.

 

 

FRISCHE WIESE

Meine Schafe,
wenn ich das Gatter öffne
zur neuen Koppel,
kommen sie angerannt,
so schnell, so froh!
Fast hör ich sie kichern
vor Lust.

Und dann schnuppern sie,
und fressen
und futtern,
das Maul ein Strauß,
aus Blumen, Gräsern, Kräutern.
Sie springen
und wälzen sich im Gras.
Ja, ja, ja! Eine frische Wiese!

Seh´ ich`s, denk ich:
Du solltest dich auch ein bisschen mehr freuen,
wenn du auf deine Wiese kommst,
auch und gerade
wenn es die vom letzten Jahr ist,
und du sie eigentlich
schon mal abgegrast hast.

 

 

LETSCHIN

Ich bin recht gerne in Letschin,
es ist viel kleiner als Berlin,
doch ist es nicht so arrogant,
ein kleines Örtchen halt, am Rand.

Als Heimat ist es nicht veraltet,
denn es wird achtbar selbstverwaltet,
und hat noch ein paar Lebensgeister,
beweisen tun’s zwei Bäckermeister!

Es gibt hier viele gute Leute,
die heiter sind und sich auch heute,
da ein Erwerb so schwer zu finden
gelassen durch das Leben schinden.

Was dieser Ort einmal gewesen
und was er sein könnt‘, ist zu lesen
in Straßen, Namen und am besten
im Hause Birkenweg, aus Resten

der dörflichen Vergangenheit.
Ihr Leute hört, es war gescheit,
dass ihr trotz leergefegter Kassen,
die Heimatstub‘ habt aufgelassen!

Letschin wollt eine Stadt nicht sein,
nun ja, es ist ja auch recht klein,
doch ist‘s ein lebenswerter Flecken,
und muss sich keineswegs verstecken!

 

 

DER KLEINE FRITZ

Es war einmal ein König,
der redete nur wenig,
er hatte schrecklich viel zu tun,
konnt‘ nur mit seinen Hunden ruhn.

Sein Reich sollt zu den Großen
der Mächte bald aufstoßen.
Der Vater hatt’s ihm aufgetragen,
tat bis zur Grausamkeit ihm sagen:

„Er ist der zweite Friederich,
drum sei er mir nicht liederlich,
die Flöte und Philosophie,
halt er im Zaum, genauso wie

die Knechte und die Untertanen!“
Und außerdem tat er ihn mahnen,
neben dem Krieg mit andern Heeren,
das Land auch innen noch zu mehren,

durch stete Melioration!
So könnt in hundert Jahren schon,
manch öder Sumpf erblühen stark,
die Senken sind das Pfand der Mark!

Und als der Vater ´s Luch am Rhin,
kolonisierte, setzt er ihn,
den kleinen Fritz, gleich in die Pflicht:
„Das Oderbruch vergiss mir nicht!

Einst, wenn die Leute `s haben trocken,
und wolln dich zur Visite locken,
dann hör von mir den besten Spruch,
den kannst du jedem Bruch und Luch,

das neu erschlossen ist, verpassen:
Ich habe aus dem alten Nassen,
gewonnen eine neu Provinz,
zur Landwirtschaft für Kunz und Hinz!

Statt mit gefallenen Soldaten,
gewann ich dieses Land mit Spaten!“
Der Fritz tat, wie ihm aufgetragen,
und auch das Sprüchlein tat er sagen.

 

 

SEHR SCHLICHTE REIME ÜBER DAS ODERBRUCH

Schimpft jemand über tote Hose,
schick ihn sofort auf die Kunst-Loose!

Mit Leserpost die MOZ verwöhne
(und uns) der emsige Herr Höhne!

Im wunderbaren Wuschewier,
ist`s beinahe am besten hier!

Der Morgenstern
ist sehr oft fern.
Doch ist im Planer eine Lücke
triffst du ihn auch mal in Zollbrücke.

Hast du einmal Stress,
freu dich über CCS!
Denn diese Technologie
wird es hier geben nie!

Was für die Dichtkunst schuf Herr Rilke,
leistet fürs Oderbruch der Wilke!

Es gibt ein Denkmal in Letschin,
und noch so eins in Neutrebbin!

Steht das Wasser
an der Scharte
wird es nasser.
Zeiten: harte.

 

 

DAS ÄCHZEN UNTER DEN BORNIERTEN

An manchen Tagen seh’ ich die Meute,
sie hat sich selbst in Schachteln gesteckt,
fein aufgespießte Schmetterlingsbeute
schön hinter Glas, dass keiner verdreckt.

Die einen halten sich für besser,
sie woll’n zu einer Kaste gehör’n.
Sie schneiden mit arrogantem Messer,
sonst könnt´ was den Feingeschmack stör’n.

Die andern halten sich für gering,
sie haben sich eingerichtet.
Sie schneiden mit stumpfer und rostiger Kling’
und haben sich unterschichtet.

Die Schachteln, gestapelt nach oben,
es sind vielleicht neun oder zehn:
Hier kann man sich unter’nand’ loben,
und voneinander nichts sehn.

Die Macht stellt uns in die Ecken,
sie spielt mit den Schachteln so fein,
solange sich alle verstecken,
da brockt ihr ja keiner was ein.

Denn wohnst du erst in den Kisten,
geht bald auch die Liebe ein.
`s ist eine der ganz großen Listen,
die macht die Menschen so klein.

Das mag ich an meinen Lieben,
die ordnen sich nicht so gern weg,
die wollen nicht ständig nur sieben,
die suchen sich nicht solch Verdeck.

Und du, mein liebstes Schätzchen,
hast auch den Braten erkannt!
Sprichst niemals in Schachtelsätzchen
und lebst nicht in Schachteln gebannt.

 

 

ZU VIEL ZU TUN

Ich hab zu viel zu tun, weiß nicht aus, weiß nicht ein,
ich hab zu viel zu tun, lebe nur noch zum Schein.
Es ist keinesfalls zu schaffen, alles türmt sich über mir,
weil ich viel zu viel zu tun hab verzweifel ich schier.

Ich hab zu viel zu tun, bin vor Arbeit ganz grau,
ich hab zu viel zu tun und weiß nicht, worauf ich bau.
Es kommt mir so vor als sei mein Leben völlig zugestellt,
weil ich zu viel zu tun hab, und immer geht es ums Geld.

Ich hab zu viel zu tun, fühl mich unfrei und schwach,
ich hab zu viel zu tun, nicht ein Tag, an dem ich lach‘,
Ständig kommt noch was dazu, immer rufen Leute an,
kaum hab ich einmal was fertig, steht schon das nächste an.

Ich hab zu viel zu tun und mein Leben ist verplant,
Ich hab zu viel zu tun, andre haben abgesahnt.
Bis auf meinen letzten Tag ist der Kalender restlos voll,
für jede Stunde steht schon drin, was ich als Nächstes machen soll.

Du hast zu viel zu tun, und dein Tunnel ist lang,
du hast zu viel zu tun, keine Zeit für Gesang.
Geh nach draußen in den Garten, ohne Zeit und ohne Ziel,
atme durch und sieh nach oben: Wolken, Vögel so viel!

Du hast zu viel zu tun, mach die Tür zu und lauf los,
du hast zu viel zu tun, bist doch stark, schön und groß!
Nicht zu viel kann man auf einmal, aber jeder kleine Schritt,
wohlgesetzt mit Mut zur Pause, bringt dich wieder in Tritt.

Wir haben zu viel zu tun, wie die Stechuhr die Zeit,
Wir haben zu viel zu tun, und das Glück scheint so weit.
Also endlich mehr gesungen, draußen Luft und Licht getankt,
Unsere Zeit ist unbarmherzig, aber dem Leben sei gedankt.

 

 

AN EINEM SCHLIMMEN TAG

Ich will in dieser harten Welt
mich heut gern in Luft auflösen,
ist nichts mehr da, was mich erhält,
bin völlig umgeben vom Bösen.

Mir ist das Land zu windig und weit,
es gönnt mir kein bisschen Wärme.
und Ängste gar bis zur Übelkeit,
die zerren mir hart die Gedärme.

Ach, du, mein Gott, wo bist du bloß,
tiefschwarz ist‘s in mir drinnen,
Ist alles mir doch viel zu groß,
und seh‘ meine Zeit verrinnen.

 

 

WUNSCHZETTEL<7
Einmal ausschlafen, ohne Rückenschmerzen.
Davon unendlichen Frieden im Herzen.
Den ganzen Tag die Ohren offen,
von allen Geräuschen zärtlich betroffen.
Ein stiller Spaziergang, am Feld entlang,
umhüllt von nebligem Schwanengesang.
Dann etwas kochen, ganz alleine,
beim Zwiebelschneiden vor Glück ich weine.
Und wenn ihr dann alle zum Essen da seid
macht sich bald herrliche Müdigkeit breit.

 

 

HIER UND DA

Hier die Landschaft.
Dort das Reiseziel.

Hier die Arbeit.
Dort der Job.

Hier der Lebenslauf.
Dort die Karriere.

Hier das Auskommen.
Dort das Einkommen.

Hier das Bekannte.
Dort das Populäre.

Hier das Altern.
Dort das Jungbleiben.

Hier das Hiersein.
Dort das Dortsein.

Hier
bin ich lieber
als dort.

 

 

AGRARSOZIOLOGIE

Frau Krüger trägt ne Kittelschürz, die hat sie täglich an,
sie geht nach Polen zum Friseur, sind kaum noch Haare dran.
Doch suchst du mal ein nettes Wort, dann bist du bei ihr richtig,
Ist heiter meist und schwatzt mit dir und macht die Sorgen nichtig.

Herr Schulze hat den Hof komplett versiegelt mit Beton.
Es wächst kein Grashalm, keine Blum, ist alles in strenger Fasson.
Doch brauchst du Hilfe oder Rat, die sind bei ihm nicht teuer,
und abends setzt er lässig sich zu dir ans Lagerfeuer.

Und schaurig ist, frisch eingebaut, Frau Meiers Plastetüre,
so grauenvoll, als ob direkt sie in die Hölle führe.
Doch hat sie dir zu später Stund‘ ihr Auto mal ausgeliehen,
Dass du die Liebste nicht verfehlst, (du hättest dir nie verziehen).

Nun nimm dagegen Tim und Grit, die machen alles schick,
sie essen gut und hören auch die richtige Musik.
Doch wenn du sie mal wirklich brauchst und willst mit ihnen lachen
Dann haben sie schlechte Laune grad und tausend Sachen zu machen.

 

 

24.12. VORMITTAGS

das Haus aufräumen
Kaffeemilch aufschäumen
Musik hören
niemanden stören
den Baum putzen
das Licht nutzen
Geschenke fertig machen
mit Emmi lachen
eine Suppe kochen
an die Türe pochen
die Krippe aufbauen
nach draußen schauen
zusammen singen
Grüße überbringen
und welche empfangen

ums Kindchen bangen
an alles denken
den Blick darauf lenken
dass niemand vergisst
was wichtig ist:

deine
meine
unsre
Gottes
Liebe