Kolumnen zum Advent

24 Vorurteile. Ein Adventskalender für den Oderbruchpavillon.

Kenneth Anders, 01.12.-24.12.2012


Als mir einmal geholfen wurde

Es war in meiner Kindheit. Ich wohnte mit meiner Familie in einer Stadt mit Kopfsteinpflasterstraßen. Die DDR-Regierung mobilisierte zu jener Zeit ihre Bürger zur Altstoffabgabe, vor allem die Kinder mussten ran. Man nannte das Sekundärrohstofferfassung, ein blödes Wort (allerdings verweist die Tatsache, dass die Wiederverwertung von Altstoffen heute Recycling genannt wird, auf eine irgendwie wiederum verkorkste Kultur). Wie dem auch sei, die Abgabe von Glas und Papier an den zahlreichen SeRo-Sammelstellen war für Kinder durchaus lohnend und man war gut beraten, das Zeug auf eigene Faust wegzuschaffen statt darauf zu warten, als Jungpionier zur unentgeltlichen Abgabe in der Schule verpflichtet zu werden.

Insofern war ich durchaus willens, mich mit dem Thema zu befassen. Es gab nur ein Problem und das war der Transport. Man konnte zwei Packen Zeitungspapier an das Fahrrad hängen, vielleicht noch einen Beutel Falschen, aber das war nicht viel. Alternativ gab es da einen alten Leiterwagen im Keller, mit eisenbeschlagenen Rädern, Baujahr ca. 1910. Der war schön, aber es war nicht schön, mit ihm über die kaputten Gehwege und Kopfsteinpflasterstraßen zu donnern. Die Gläser und Flaschen machten einen Höllenlärm, man war sehr auffällig damit. Mir war das unangenehm. Mein Vater meinte, ich solle mich nicht so haben. Also nahm ich mich zusammen und zog los.

So wird vielleicht einsichtig, dass ich, als ich schließlich Vis-a-vis der Stolper Ecke am Altstoffhandel ankam, schon etwas dünnhäutig war. Hinter mir lagen 15 Minuten Scheppern und 250 glotzende Leute. Dazu kam der Umstand, dass die Altstoffhändler selten nett zu den Kindern waren;  sie gaben sich einsilbig und schroff. Wir hatten oft das Gefühl, von ihnen übers Ohr gehauen zu werden. Man kam in den Kellerladen, musste das Papier auf die Waage legen, der Altstoffhändler zählte derweil rauchend die Gläser und Falschen durch. Nie wurde einem erklärt, wie der Betrag zustande kam, den man schließlich erhielt. Wegtreten. Dieser Gang stand mir also nun bevor. Zunächst hieß es Schlange stehen, irgendwann war ich dran, hinter mir warteten die nächsten Kinder. Nachdem ich drinnen das Papier auf die Waage gepackt hatte, ging ich wieder hinaus zu meinem Leiterwagen und wollte die Gläser holen. Ich war nervös und der Leiterwagen ziemlich hoch und wie immer es kam … ich ließ die Kiste los und die Flaschen und Gläser fielen auf den Gehweg und gingen zu Bruch.

Wie weiter? Ich hatte keine Ahnung. Der Altstoffhändler blaffte mich an, ich solle es eben aufsammeln, dann nahm er einfach das nächste Kind an die Reihe. Eimer, Besen und Müllschippe verweigerte er mir. Alle starrten mich an, ich hätte heulen können. Große Scherben, kleine Scherben, alles per Hand, es würde ewig dauern. Und wohin damit? Was war mit meinem Papier, das schon gewogen war? Ich bückte mich über die Scherben, ich war einsam, ein trauriges Aschenputtel.

Da stand jemand vor mir. Er war vielleicht vierzig Jahre alt, hatte eine Kippe im Mund und eine Bierfahne. Sein Unterhemd ließ Tätowierungen auf den Schultern und Oberarmen frei. Man muss sich vor Augen führen, dass damals noch nicht jede Verkäufern Tätowierungen hatte, es war etwas Besonderes. Der Mann hatte einen Eimer sowie Besen und Müllschippe in der Hand. Er sammelte die großen Scherben auf, drückte mir den Besen und die Schaufel in die Hand und bedeutete mir zu fegen. In zwei Minuten war alles weg. Er nahm den Eimer und das Kehrzeug, zwinkerte mir zu, und ging wieder. Später sah ich ihn am Fenster sitzen. Seine Wohnung befand sich genau über der Stolper Ecke.

Ich bin diesem Mann bis heute dankbar. Er hat mich damals nicht nur aus einer unangenehmen Situation gerettet, er hat mir auch etwas geschenkt, ein Vertrauen. Denn Männer mit Fluppe, Bierfahne und Tätowierungen gingen bei uns zu Hause nicht gerade ein und aus. Ich hatte kein Urteil über sie, aber eine gewisse, kulturell bedingte Skepsis hatte ich schon. Dem Mann mit dem Kehrzeug verdanke ich die nun die Erfahrung, dass es Unsinn ist, Männer im Unterhemd mit Zigarette und Bierfahne oder auch Menschen mit anderen Merkmalen, zu einer Gruppe zusammenzufassen. Ob dir jemand aus der Patsche hilft oder nicht, hat nämlich damit nichts zu tun.

Ich finde, das ist eine sehr wertvolle Erfahrung.

Im Alexa

Das Alexa ist ein Warenhaus am Alexanderplatz in Berlin. Ich weiß nicht, ob die Bezeichnung „Warenhaus“ richtig ist. Verschiedene Geschäfte, überwiegend Ketten, unterhalten hier Filialen, in denen sie ihre Waren anbieten. Wer weiß, woran es liegt, aber das Alexa war mir seit seiner Eröffnung vor einigen Jahren besonders unsympathisch. Ich bin auch sonst kein Anhänger von Einkaufsmeilen (wer ist das schon), aber das Alexa hat ein aggressives Moment, das mir von Anfang an suspekt war, obwohl die meisten der hier versammelten Ketten auch andernorts auf Beute gehen. Vielleicht liegt es an der Architektur. Der rötlich gefärbte Beton erinnert farblich an die alten Ankerbausteine, die ich als Kind immer sehr mochte. Aber nun weicht man zurück, weil etwas nicht stimmt – die Textur ist grob, künstlich, als sollte man für dumm verkauft werden. Das Gebäude macht den Eindruck eines auf eine blödsinnige Weise vergrößerten Spielzeug-Parkhauses. Hat man es betreten, fahren einem schon die Rolltreppen entgegen. Und von denen will ich berichten, oder besser von den Menschen, die einem da entgegenfahren.

Es sind überwiegend junge Menschen, und sie quetschen sich zu tausenden zusammen wie Ölsardinen (obwohl sie wahrscheinlich keine Ölsardinen mehr kennen). Sie tragen Kleidung im neuesten Schick und sie haben oft Sonnenbrillen auf, auch bei schlechtem Wetter. Im Haar der Jungen glänzen viele Kilo Haarwachs und -gel und was nicht noch alles. Alles ist voller Accessoires, Ketten, Lochohrringe, Mützen. Sie sind so zugerichtet, dass man sich fragt, wie sie das überhaupt in ihrer kurzen Lebenszeit geschafft haben. Und natürlich fragt man sich, ob sie nichts Besseres zu tun haben, als hier die Rolltreppen hoch- und runterzufahren, Geld für weitere Modeartikel auszugeben und die Zeit totzuschlagen. Wenn in Brandenburg Reformationstag ist, sind es doppelt so viele. Was soll man sonst machen.

Die Reduzierung des Lebens auf eine konsumtive Idiotie ist als ernstes gesellschaftliches Problem seit Jahrzehnten bekannt. Trotzdem nimmt sie zu und erfährt immer mehr politische Unterstützung, etwa durch städtebauliche Entscheidungen, weil man meint, das brächte Arbeitsplätze. Es gibt in der Welt viele Städte, in denen man eigentlich nichts anderes mehr tun kann, als zu konsumieren. Die Räume lassen gar nichts anderes mehr zu. Insofern bieten die Kinder auf der Rolltreppe einen doppelt traurigen Anblick und man ist versucht, ihnen einen Spaten in die Hand zu drücken und ein Beet umgraben zu lassen. Man möchte den Reformationstag abschaffen und ihnen das Taschengeld wegnehmen. Trotzdem.

Die irrsinnigste Häufung von Ray-Ban-Sonnenbrillen auf einer Rolltreppe rechtfertigt kein Urteil über die hier hoch- und hinunterfahrenden Jugendlichen im Einzelnen. Das klingt trivial, aber ich schreibe es dennoch auf, weil es mich so viel Mühe kostet, nicht allzu wohlfeilen Vorurteilen zu verfallen.

Ich stelle mich also an die Rolltreppe und sehe mir die jungen Leute an. Und dann denke ich: Von der da haben sich vielleicht gerade die Eltern getrennt. Und die wird bestimmt in ihrer Schulklasse immer geärgert, weil sie ein bisschen dick ist. Und der da freut sich, dass ihn heute Abend seine Oma besucht. Und diese da kann bestimmt toll Gedichte aufsagen und sie traut es sich auch. Und der dort würde gern Posaune spielen und hat keine Unterstützung. Und diese langweilt sich zu Tode, hier im Alexa, sie ist bestimmt nur wegen ihrer Freundin mitgekommen.

Das mag stimmen oder nicht, es hilft jedenfalls. Nach dieser kleinen Übung kann man sich auf die Rolltreppe zubewegen und jemanden nach der Uhrzeit fragen. Und, wer hätte das gedacht, der Befragte kann sprechen. Und er kann auch die Uhr lesen. Das ist ein Anfang.

Beim Altstadtfest

Das Bad Freienwalder Altstadtfest ist, wie man an der regen Beteiligung unserer Bevölkerung leicht erkennen kann, ein regionaler Kulturerfolg. An jenem Wochenende im September ist die Stadt voller Menschen, die sich zwischen sehr verschiedenen Speise- und Musikangeboten tummeln. Es gibt Folkmusik und Bigbandsound, Elektromugge, Oldies und Rockklassiker und auch ein paar harte Sachen zu hören. Über die einzelnen Höfe differenziert sich das aus, so dass man hier und da hinein schnuppern kann, bis man irgendwo verweilen will. (Das bedeutet natürlich, dass man sich als Künstler nicht zu viel vornehmen sollte, denn wenn es zu anstrengend wird, sind die Leute wieder weg, und sei es auch nur, um sich das zehnte Bier zu holen.)

Auch in diesem Jahr war ich mit meiner Familie mit von der Partie. Wir mussten zum Rummelplatz, denn mein kleiner Sohn fährt sehr gerne Karussell. Diesmal wünschte er sich ein blaues Flugzeug als Vehikel. Er nahm also darin Platz und begann sich im Kreis zu drehen und sah so froh aus, dass ich in diesem Moment doch wieder einmal an den Weltfrieden glauben musste. Denn wenn es möglich ist, ein Kind mit einem bunten Karussell so glücklich zu machen, dann ist noch nicht aller Tage Abend.

Es kann deshalb nicht verwundern, dass ich bereitwillig zum Kassenhäuschen ging, als das Karussell zum Stehen kam, um meinem Sohn weitere Fahrten zu spendieren. Ich war in Bestlaune und hätte die halbe Welt umarmen können (vgl. Weltfrieden). So grüßte ich auch einen jungen Mann, der in der Nähe des Häuschens stand, offenbar ebenfalls, um sein Kind mit weiteren Karusselljetons zu versorgen. Wir kamen uns irgendwie bekannt vor, was aber wohl teilweise eine Täuschung war, aber egal. Seine Frau war auch da und in guter Hoffnung, wie man sah und übrigens hatten sich die beiden gerade entschieden, hierherzuziehen.

Na, da konnte ich sie nur beglückwünschen und ihnen alles Gute wünschen und bestimmt würde man sich mal wieder sehen, zum Beispiel beim Altstadtfest! Ja, sagten die jungen Siedler da, das könne wohl sein, aber sicher wären sie sich nicht, denn zwar gefalle ihnen die Landschaft hier sehr, aber die Leute GINGEN JA GAR NICHT!  Dieses Volk, was hier so zu sehen sei, da könne man doch ins Zweifeln kommen, ob man hier wirklich herwolle, schließlich müssten die Kinder ja auch mal in die Schule!

Ich sah an mir herunter, ob ich vielleicht meine Gartenschuhe angelassen hatte und ein bisschen schlumpsig aussah. Nein, die Schuhe waren in Ordnung.

Nun kann ich nur sagen, dass Rummel es so an sich haben, dass es auf ihnen ein bisschen derbe zugeht, das weiß man von Kindheit an: Büchsenschießen, Losbude, Bier, Autoscooter. Mir fiel in diesem Moment auf, dass ich die Menschen in der Gegend, in der ich lebe, gar nicht so betrachte, dass ich „die Leute“ zu ihnen sagen könnte. Das ist vielleicht naiv, aber ich glaube, es ist besser so. Denn „die Leute“ merken schnell, ob man sich für etwas Besseres hält oder ob man sich die Mühe machen will, sie einzeln zu beurteilen, jedenfalls, sofern man die Möglichkeit hat, sie kennen zu lernen. Und sofern dies in Anbetracht des durchschnittlichen ostbrandenburgischen Habitus schwer fallen sollte, kann ich nur empfehlen, es so zu machen, wie ich es neulich im Alexa gemacht habe (vgl. die gestrige Kolumne). Wer vom Land in die große Stadt kommt und einer Million Menschen beim Shoppen zusieht, dem ergeht es nämlich nicht besser: er hält „die Leute“ alle für unterbelichtet. Dagegen gibt es Mittel, die darin bestehen, sich einzelne Schicksale vorzustellen und sich im Übrigen klarzumachen, dass man zu den Leuten dazugehört, ob man es will, oder nicht. So etwas Ähnliches sagte ich und entschied mich dann doch, weiter an den Weltfrieden zu glauben. Wenigstens für heute.

Die List der Vernunft

Hallo liebes Team vom Oderbruchpavillon, wir haben in der LANDLUST über ihre tolle Gegend gelesen und wollen unbedingt im nächsten Sommer vorbeikommen. Bitte schickt schon mal Informationsmaterial für unseren Urlaub! Mit besten Grüßen, die Familie Müller aus Wermelskirchen.

So in etwa war es einst, nach dem Oderbruch-Beitrag in der LANDLUST, in unserem Emailpostfach zu lesen. Und obwohl es sich hierbei, wie man ahnen kann, um ein totales Missverständnis gehandelt hat, ist an dieser Stelle, nun ja, zwar keine Abbitte zu leisten aber doch eine Richtigstellung und diese betrifft eben mein Urteil über das Lebensstilmagazin LANDLUST. Vor zwei Jahren hatte ich mich in einer Kolumne dahingehend geäußert, dass diese Zeitschrift durch die Darstellung von Landschaften in Katalogästhetik und die beharrliche Leugnung von Problemen der Regionalentwicklung zur Vertiefung der städtischen Vorurteile über das Land beiträgt und somit letztlich, wenn auch nicht schade, so doch auf keinen Fall etwas nütze.

Diese Aussage bedarf einer Differenzierung. Dass die Hochglanzästhetik an der Wirklichkeit ländlicher Räume vorbeigeht, davon gehe ich nicht ab (und das stimmt ja auch)! Aber dass sie so ganz nutzlos sei, dem haben inzwischen einige Menschen im Oderbruch widersprochen und darauf deutet auch die oben wiedergegebene Grußbotschaft aus Nordrhein-Westfalen hin. Die hiesigen Kleinanbieter für Keramik, Kunstgewerbe, Gastronomie und Tourismus stellen nämlich übereinstimmend fest, dass die Zahl ihrer Kunden seit dem besagten Artikel stark zugenommen hat und zwar stellenweise um mehr als 300 Prozent! Und dagegen soll erst einmal jemand was sagen!

Allerdings, dagegen ist schwer etwas zu sagen, und deshalb will ich auch gar nicht mehr zanken, sondern sogar einen Vorschlag zur Güte machen. Statt die LANDLUST weiterhin wegen ihrer verklärenden Arbeitsweise zu schmähen, halte ich es zukünftig mit dem großen deutschen Philosophen Georg Wilhelm Friedrich Hegel – zumindest in diesem Falle. Der hat nämlich auf einen historischen Effekt aufmerksam gemacht, der darin besteht, dass der Weltgeist auch dann wohltuend wirken könne, wenn die Akteure der Geschichte dies gar nicht beabsichtigen, sozusagen hinter ihrem Rücken (also eigentlich hinterrücks).

Auf unseren Fall bezogen bedeutet dies: Die Besucher kommen mit falschen Vorstellungen hierher, aber wenn sie hier nun z.B. vor einer Töpferei stehen, dann gehen sie auch rein. Und dort kaufen sie also nun eine Tasse und eine Schüssel (was soll man sonst machen?) und da sie schon einmal da sind, plaudern sie auch ein wenig mit der Töpferin. Und die empfiehlt ihnen noch den Besuch in einem neuen Café oder bei einem Landwirt, der gute Bratwürste macht. Und dann reden sie noch ein bisschen weiter und am Ende haben sie tatsächlich mal jemanden von hier kennengelernt und mit ihm gesprochen und vielleicht kommen sie im nächsten Jahr wieder und besser als der Kauf im Internet ist es allemal. Und – schwuppdiwupp – ist (von der aufgebesserten Kasse der Töpferin ganz abgesehen) ein kleiner, aber ausbaufähiger Stadt-Land-Dialog in der Welt. Wer weiß, vielleicht freundet sich die Familie aus Wermelskirchen sogar mit jemandem an?

Das alles hat zwar nicht die LANDLUST gemacht, sondern es waren die Menschen, die sich im Oderbruch getroffen haben, aber die Zeitschrift hat es doch ermöglicht und gewissermaßen angeregt. Und dies nennt Hegel dann: Die List der Vernunft.

Die kann man in diesem Falle nicht  verachten.

Das Leben ist ein Fasching

Viel ist in den letzten Jahren von Identitäten gefaselt worden, von regionalen Identitäten allemal, von Geschlechteridentitäten auch (also diesen Gender-Geschichten) und gern auch von postmodernen Identitäten, die zusammengesetzt sind und irgendwie verspielt. Wir wollen uns hier nicht lange damit aufhalten sondern nur darauf hinweisen, dass das, was die akademischen Diskurse jahrelang beschäftigt hat, für die Menschen ohne entsprechende theoretische Anbindung ganz normal ist. Den Beweis gab es neulich im Fitnessstudio. Da ein Fitnessstudio im ländlichen Raum als reinster melting pot beinahe jedes Vorurteil zum Schmelzen bringt, dass man sich überhaupt denken kann, wird es noch mehrfach in diesem Zusammenhang eine Rolle spielen. Der Grund ist einfach: es gibt auf dem Land nur wenige Menschen und also auch nur eine geringe Dichte an Fitnessstudios und also müssen alle in dasselbe Studio gehen und da geht es dann eben drunter und drüber statt sich ordentlich auszudifferenzieren, nach Einkommen, Kultur, Bildungsabschluss oder Alter.

Ich war jedenfalls in meinem Fitnessstudio gerade beim Umziehen und mit mir kleideten sich noch zwei andere Männer um, beide etwas jünger als ich. Ich kannte sie schon lange vom Sehen, hatte sie aber nie gesprochen. Beide wirkten auf mich so, als hätten sie gar nichts anderes im Kopf als diese Hantelmaschinen. Man denkt das so, wenn man ihnen beim Training zusieht. Ich habe allerdings keine Ahnung, was sie denken, wenn sie mir zusehen.

Jedenfalls reden die beiden nun miteinander:

Und, wat machste am Wochenende?

Ick hab mein‘ Sohn da.

Ach wat, du hastn Sohn? Hätt ick ja ni jedacht!

Na klar, ölwe is der schon. Machen wa ´t uns jemütlich. … Und du, wat machst du?

Ach, ick muss uff de Schicht. Als Kranknpfleja, weeste.

Wat du machst Schicht? Im Kranknhaus? Ich dachte imma, du bist Frisör, wejen deine Haare, du hast so jesteilte Haare.

Ja, dacht ick o, dass ick mal Frisör werde. Aber denn hab ick do wat andret jemacht. Als Frisör, hab ick mir jedacht, kannste immer no jehn.

Aus dieser kleinen Unterhaltung kann man drei interessante Dinge lernen. Erstens: Die beiden Gesprächspartner hatten jeweils falsche Bilder von sich. Der eine hätte dem anderen keine Vaterschaft zugetraut, wogegen der andere sein Gegenüber für einen Frisör gehalten hatte. Zweitens: Auch ich hatte falsche Bilder von den beiden Männern, die jeweils ihren wechselseitigen Irrtümern entsprachen. Drittens: Die Formulierung „als Frisör kannste immer no jehn“ verweist darauf, dass man das ganze Geheimnis des Identitätsdiskurses auf wunderbar einfache Weise formulieren kann: Wir gehen ins Leben wie zum Fasching. Die einen als Friseur, die anderen als Akademiker. Das ist doch ganz normal. Und es beinhaltete sogar eine gewisse Freiheit des Kostümwechsels.

Meditation vor dem Geschenkekauf

Das folgende Vorurteil ist eigentlich keines mehr, weil jeder weiß, dass es ein Vorurteil ist, aber es darf doch in dieser Sammlung nicht fehlen, weil es immer noch dasteht wie ein Lenindenkmal, das man vergessen hat, abzureißen. Früher wurde es noch ausgesprochen: Meine Großeltern fuhren in den Westen, kamen zurück und sagten: ES GIBT ALLES! Ich habe immer versucht, mir vorzustellen, was ALLES ist. Doch wie ich nachher feststellen musste, gibt es überhaupt nicht alles, von diesem Satz ist nur das Gegenteil wahr. Ich habe sogar das Gefühl, dass es immer weniger gibt, dass meine Wahlmöglichkeiten als Konsument also abnehmen.

Diese Beobachtung erwächst zum Tel aus dem Älterwerden. Ich erlebe den Wandel der Produktwelt und vermisse ständig Dinge, auf die ich mich eingestellt hatte. Man kennt das von alten Menschen: Sie schwören auf Reinigungsmittel aus der Zeit der Kolonialkriege, auf Werkzeuge, die man nur aus dem Museum kennt und sie empfehlen einem Dienstleistungen, die vor zwanzig Jahren ausgestorben bin. So langsam kann ich das nachvollziehen. Nur zwei Beispiele:

Schon vor zwanzig Jahren wurde ich skeptisch, als die guten Kassettenrekorder meiner Jugendzeit aus den Elektroläden verschwanden. Die wogen zehn Kilo, hatten eine tollen Klang, ein eingebautes Mikrofon und hielten eine gefühlte Ewigkeit. Mit der Etablierung der CD war das vorbei. Von nun an gab es nur noch Geräte, die wie eine Kiste Schrauben klangen und nichts aushielten. Ich erinnere mich an ein Nordmende-Gerät bei Bekannten meiner Eltern. Wenn ich das noch auftreiben könnte…

Oder ich hatte Lieblingskaugummis, so kleine bläuliche Dragees. Aus Unterhaltungen weiß ich, dass viele Menschen diese Kaugummis liebten. Sie verschwanden über Nacht aus den Regalen und wurden durch andere Dragees ersetzt, die dreimal so viel kosten und einen unangenehmen scharfen Geschmack haben. In Polen gab es meine Favoriten noch etwas länger an der Tankstelle, aber damit ist es nun auch vorbei.

Wohin wir sehen: Serien schlechter Waren in unendlich vielen Verkleidungen. Oder umgekehrt: Milliarden zerbrochener CD-Hüllen. Genormter Schrott. Warum wird das so gemacht? Intakte Gebrauchsverhältnisse schmälern den Profit. Man kann nur viel verdienen, wenn man das Verhältnis der Leute zu den Dingen immer wieder aus der Balance bringt. Deshalb hat der Fortschritt in der Warenwelt etwas Entmündigendes. Weiß die Industrie von allein nicht weiter, wie bei Agrarchemikalien oder Glühbirnen, nimmt sie die Politik in Dienst. Die verbietet dann die alten Produkte, so dass man mit neuen und noch schlechteren Produkten noch mehr Geld verdienen kann.

So kommt es, dass einem die Welt des Konsums von Jahr zu Jahr fremder wird. Mein Automechaniker redete sich neulich in Rage über das Nachlassen der Qualität von Autos. Geplante Obsoleszenz. Um mit Loriot zu sprechen: „Die bauen die Geräte absichtlich so, dass sie schnell kaputt gehen!“

Das alles ist, ich weiß, ist ein alter Hut. Aber dass wir ihn immer wieder aufsetzen, macht doch verzweifelt. Und, worauf mich mein Sohn neulich aufmerksam machte, wirklich schlimm wird es dadurch, dass man diese lächerlichen Produktnamen aussprechen muss, wenn man etwas kaufen will. Zum Beispiel bei Handytarifen. Nehm ich jetzt den BLUE? Oder den ON? Oder den GO? Den RED M, den CALLYA oder den SPECIAL COMPLETE MOBIL COMFORT? Also, das ist demütigend.

Es gibt überhaupt nicht alles. Und die Behauptung, der Markt sei zur Befriedigung menschlicher Bedürfnisse da, wird täglich falscher. Wir befriedigen die Bedürfnisse des Marktes. Das sollte man vor allem beim Einkauf von Weihnachtsgeschenken beachten. Und versuchen, etwas zu basteln oder zu reparieren. Ich sage nur: Hansels Eisenbahn ist weg, steht nicht mehr am alten Fleck.

Unfreundlich

Furchtbar, diese Deutschen
sind so schrecklich
unfreundlich,
mufflig, stofflig, remplig, maulfaul,
einfach unfreundlich,
wahnsinnig unfreundlich.

Dagegen in England:
Kaum hat man jemanden berührt, heißt es gleich:
Sorry, sorry sorry!
Das ist für unsereins
wie ein Bad in Champagner!

In ganz Europa sind die Menschen freundlich,
und immer für ein Schwätzchen gut.
Auch die Iren, auch die Schweden, auch die Franz…
Nein, die Franzosen nicht?
Doch, die auch!
Ah! So höflich, so herrlich freundlich, so umgänglich.

Wir dagegen: wie die Russen,
stur gradeaus, immer mit Tunnelblick,
so dermaßen unfreundlich!
Beim Einkaufen,
Ellenbogen raus und los,
nie sagt einer sorry!
Am schlimmsten sind sie hier, in Brandenburg.
Und am allerschlimmsten die in unserer Gegend,
so unglaublich unfreundlich!
Besser noch allemal ist es im Süden,
da sind sie wenigstens ein bisschen freundlich,
die grüßen auch und so.

Diese Unfreundlichkeit die macht mich
so verärgert,
da werde ich gleich richtig unfreundlich!

Wie?
Ach ja, Tach!

Über sich selbst lachen können

Dass wir im Leben eine lächerliche Figur machen, ist nur zu oft der Fall: Wir laufen herum wie aufgescheuchte Hühner, vertun uns in den Anziehsachen,  vergreifen uns im Ton oder sagen sonst etwas Dummes. Allerdings lachen wir nur selten darüber, denn wir sind meist zu eitel oder wir merken es einfach nicht, weil wir zu beschäftigt sind und außerdem gibt es in unserer Kultur auch keine Schule des Über-sich-Lachens. Das ist schade (muss man sagen) denn wenn man über sich nicht lachen kann, macht das Leben weniger Spaß und überhaupt sind viele Leute zu steif, weil sie immer Angst haben, einen Fehler zu machen und lächerlich zu wirken. Umso erfrischender ist es, wenn man Menschen trifft, die seht gut über sich lachen können. Und da es in diesem kleinen Zyklus um Vorurteile geht, begebe ich mich wieder ins Fitnessstudio, wo man nicht unbedingt damit rechnet, auf diese Gabe zu treffen (Lifestyle, gutes Aussehen und so weiter).

Da erzählte mir ein Mann in der Sauna folgendes (ich wechsele wieder ins Mundartliche):

Wie ick no ni hier trainiert hab, war ick ja damals ziemlich dick jewesen. Ick meine, ick hab imma no janz schön wat uff de Rippen, aba damals hättste mich sehn solln! Da hatt ick richtichjehend solche Brüste jehabt.

Und denn war ick baden jewesen, im Dornbuschsee und steh so im Wassa bis zum Bauchnabel und denn kommt n kleena Junge mit seim Papa int Wassa und sacht nu zu seim Altn:

Papa, wieso hat’n die Oma keen BH an?

Da sach ick: Ick bin do keene Omna, kiek do ma, ick hab do `n Bart!

Da sacht do der Junge: Meine Oma hat och’n Bart! Na, da wusst ick ja ni mehr, wat ick saren sollte!

Da wusste ich auch nicht mehr, was ich sagen sollte. Also lachten wir.

Ich kann nur sagen, Respekt, ich hätte diese Geschichte bestimmt nicht erzählt! Und wenn das nächste Mal ein großer Fleck Senf oder Kleinkindschmaddel an Revers glänzt – unbedingt daran denken!

Bill Gates ist keine Jude

Nein, ist er nicht, obwohl ich das eigentlich gar nicht weiß. Aber warum spielt das überhaupt eine Rolle?

Also das war so. Ich war bei einer ehrenamtlichen Zusammenkunft, es waren Leute aus dem ganzen Oderbruch da. Und es gab ein Leitthema, das hieß Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus. Und jemand hielt einen Vortrag darüber, wie er im täglichen Leben, bei seiner Arbeit mit Menschen, mit solchen Erscheinungen umgeht. Und er erzählte ein Beispiel, nämlich, dass oft gesagt würde, die Juden beherrschten die Wirtschaft und horteten das ganze Geld. Und da zeige sich dann, wie wichtig es sei, gut Bescheid zu wissen, denn dann könne man erwidern, dass der reichste Mann der Welt gar kein Jude sei, sondern Bill Gates heiße. So in etwa.

Schlau, was? Nein, überhaupt nicht schlau. Denn mit dieser Art von Faktensammeln betritt man einen Pfad aufs Glatteis. Was wäre denn, wenn Gates nun doch Jude wäre? Dann wäre der Antisemitismus auf einmal berechtigt?

Ich habe das in langen Debatten mit meinem rechtskonservativen Onkel erlebt. Er arbeitete sich sein Leben lang an der Nazizeit ab und versuchte immer wieder, mit Fakten und Wissen irgendwelche Verteidigungslinien zu ziehen, um etwas an der ganzen schrecklichen Geschichte zwischen 33 und 45 zu retten. Ich war damals jung, es waren sehr anstrengende Gespräche, ich war überfordert. Er wusste eine Menge: Zahlen, Geschichten, Berichte, Zusammenhänge. Ich habe keine Ahnung, ob sein Wissen stimmte. Es wäre unmöglich gewesen, alles zu überprüfen. Es wäre auch vollkommen sinnlos gewesen. Denn es ging gar nicht darum, ob etwas stimmte. Es ging darum, Vorurteile zu untermauern.

Das soll nicht heißen, dass Wissen grundsätzlich nutzlos ist. Es heißt einfach, dass Wissen, welches in Regale des Ressentiments eingeordnet wird, keinen Pfifferling wert ist. Es ist vermint, man kann es wegschmeißen.

Ich kenne Leute, die wissen beinahe gar nichts. Aber sie haben ein gutes Gespür dafür, ob sie einer Behauptung folgen wollen oder nicht. Das ist der Unterschied zwischen Wissen und Bildung.

Landleben

Frau Krüger trägt ne Kittelschürz, die hat sie täglich an,
sie geht nach Polen zum Friseur, sind kaum noch Haare dran.
Doch suchst du mal ein nettes Wort, dann bist du bei ihr richtig,
ist heiter meist und schwatzt mit dir und macht die Sorgen nichtig.

So ist es oft, man täuscht sich schnell,
es staunen die Soziologen,
eh du es mitkriegst wirst du grell
vom ersten Eindruck betrogen.

Herr Schulze hat den Hof komplett versiegelt mit Beton.
Es wächst kein Grashalm, keine Blum, ist alles in strenger Fasson.
Doch brauchst du Hilfe oder Rat, die sind bei ihm nicht teuer,
und abends setzt er lässig sich zu dir ans Lagerfeuer.

So ist es oft, man täuscht sich schnell,
es staunen die Soziologen,
eh du es mitkriegst wirst du grell
vom ersten Eindruck betrogen.

Und schaurig ist, frisch eingebaut, Frau Meiers Plastetüre,
so grauenvoll, als ob direkt sie in die Hölle führe.
Doch hat sie dir zu später Stund‘ ihr Auto mal ausgeliehen,
Dass du die Liebste nicht verfehlst, (du hättest dir nie verziehen).

So ist es oft, man täuscht sich schnell,
es staunen die Soziologen,
eh du es mitkriegst wirst du grell
vom ersten Eindruck betrogen.

Nun nimm dagegen Tim und Grit, die machen alles schick,
sie essen gut und hören auch die richtige Musik.
Doch wenn du sie mal wirklich brauchst und willst mit ihnen lachen
Dann haben sie schlechte Laune grad und tausend Sachen zu machen.

So ist es oft, man täuscht sich schnell,
es staunen die Soziologen,
eh du es mitkriegst wirst du grell
vom ersten Eindruck betrogen.


Da geh ich ein!

Also zu euch hierher könnt‘ ich nicht ziehn, sagte meine liebe Oma immer, da geh ich ein. Was sie damit meinte, war die Kultur. Sie fand, in einer sehr kultivierten Gegend voller guter interessanter Angebote zu leben, wogegen wir in der Pampa wohnten. Sie meinte es nicht böse. Aber aus irgendeinem Grund denke ich seit Jahrzehnten über diesen Satz Da geh ich ein nach, sammle Erfahrungen und werte sie aus.

Die kulturelle Vitalität einer Region ist schwer zu messen. Es gibt Gegenden, in denen laufen tolle Sachen, aber es geht keiner hin. Es gibt andere Gegenden, in denen laufen nicht so tolle Sachen, aber wenn was ist, kommen die Leute und sehen sich das an. Es gibt Gegenden, in den ist gar nichts los, aber man kann sehr gut selbst kulturell aktiv werden und es interessiert auch jemanden. Umgekehrt kann man zum Beispiel in Berlin extrem viele kulturelle Angebote wahrnehmen, aber wenn man selbst etwas macht, wird man nicht so leicht ein Publikum finden.

Ich war zum Beispiel mal in einem Kino in Berlin, da lief ein sehr guter Film eines türkischen Regisseurs. Es war der zweite Teil einer Trilogie. Ich war der einzige Gast, was bedeutet, dass nicht ein einziger von vier Millionen Berlinern gekommen war! Zum Glück wurde der Film trotzdem gezeigt. Aber als dann der dritte Teil der Trilogie dieses Regisseurs auf der Berlinale gezeigt wurde, da gab es in dem Kino nicht einen freien Platz mehr und alle waren begeistert.

Oder, ein anderes Beispiel. Da gibt es ein Lesefestival in einer deutschen mittelgroßen Stadt und viele Leute gehen da hin und hören sich das an, besonders bei den Lesungen mit einem berühmten Synchronsprecher, der die deutsche Stimme von Robert de Niro ist. Bei den anderen Lesungen ist dann aber nicht so viel los. Fast gar nichts, muss man sagen.

Es gibt aber vielleicht auch, mitten in einer kulturellen Wüste, einen Kantor, der beharrlich Chorkonzerte veranstaltet und er hat ein treues Publikum aufgebaut und so haben die Konzerte immer ein passables Publikum und beim letzten Mal hat die Frau Krause in der dritten Bank geweint, so ist ihr das nahe gegangen.
Worauf will ich hinaus?

Ob ein kultureller Prozess wirklich wertvoll ist, etwas im Leben auslöst und uns gescheit macht, das lässt sich nicht allein durch einen Kulturkalender bestimmen. In vielen Regionen herrscht auf der kulturellen Seite eitel Sonnenschein, aber eigentlich ist es besonnte Eitelkeit. Die Menschen werden auf Autoritätsbeweise getrimmt, das Fernsehen oder andere Medien entscheiden über ihre Aufmerksamkeit. Und in anderen Gegenden, die dunkler sind als die dunkle Seite des Mondes, geschehen sehr interessante Dinge: Leute lernen, zu vergleichen, erweitern ihr Urteilsvermögen, gehen ihren eigenen Fragen nach und sagen: Das interessiert mich, da gehe ich hin oder: Warum nicht? Das könnte doch interessant sein. Man kann es nicht wissen. Nicht vorher jedenfalls.

Ich selbst könnte mir also auch gut vorstellen, einzugehen, aber nicht in der kulturellen Walachei, sondern in einer autoritätshörigen Gesellschaft, in der alle auf Kommando klatschen. Das würde mich wirklich fertig machen.

Wieso haben sie Schwielen?

Für Kinder sind Erwachsene in Stein gemeißelt: Sie verändern sich nicht, sie sind einfach alt, je älter, desto starrer. Das ist insofern kurios, als es sich für die älteren Menschen genau umgekehrt anfühlt: die Jahre fliegen dahin und das eigenen Leben verläuft wie im Zeitraffer.

Als ich mich mit dreißig Jahren auf dem Land niederließ, hatte ich, zumindest auf die alten Damen in meiner Kirchgemeinde, durchaus noch eine solche kindliche Sicht. Es waren eben alte Damen, oft mit Dauerwellen, und ich konnte mir schwer vorstellen, dass sie auch einmal junge Mädchen gewesen waren. Das änderte sich erst nach und nach. Einen wichtigen Beitrag zu dieser Verschiebung leistete die enorme Schlagfertigkeit und Auffassungsgabe unserer Seniorinnen, die mich bis heute immer aufs Neue verblüfft. Sie reagieren schnell und sie haben einen sehr guten Überblick. Es gibt also immer wieder Überraschungen: Frau L. kann wunderbar Klavier spielen, Frau H. beherrscht die Regeln demokratischer Selbstverwaltung, als hätte sie eine entsprechende Ausbildung erlebt und Frau S. sieht zwar blind aus, ist es aber nicht. Wie ich merkte, als ich ihr gegenüber saß.

Wieso ham sie’n solche Schwielen, sie sind doch Doktor!

Ich sah meine Hände an und erblickte Schwielen. Sie waren mir noch nicht aufgefallen. Zu jeder Zeit hatte ich viel am Haus zu tun.

Also erklärte ich Frau S., wie das zusammenhängt. Aber das wusste sie natürlich schon. Sie hatte mich bloß necken wollen.

Apropos Doktor, akademische Titel werden auf dem Land immer noch hoch geschätzt. Da die erschlichenen Titel vieler Politiker keine Ausnahmefälle, sondern Anzeiger eines schwerwiegenden Verfalls unseres Bildungskapitals sind, tut mir zuweilen das regelrecht weh. Es ist, als bewahrte man sich in der Provinz noch einen Respekt vor Leistungen, die dort, wo sie erbracht werden, längst verramscht werden.

Stammtische nicht verloren geben!

Man sagt, am Stammtisch regiert der Populismus. Ist das so?

Es gibt heute nicht mehr viele Stammtische in der Provinz, die meisten Kneipen haben zu. Die Stammtischdiskurse sind hierzulande in die Sauna abgewandert, dort gibt es ja auch Bier. Hier habe ich folgende Diskussion erlebt, es ging um das Schicksal der europäischen Wahrungsunion:

Ick wird dir wat saren, die solln mit den Euro erst ma die janzn kleen und schwachn rausschmeißen, will ick dir saren, die janzn Griechn und im Ostn die och, erst mal bloß die starken Wirtschaften drinlassn und denn solln die sich erst ma berappeln da, dit bringt do allet nüscht.

Jenau! So isset! Dit sarick o imma usw.

Alle nicken, bis auf einen, so einen kleinen.  Der sagt:

Du dit hat mit schwach und stark ja nüscht zu tun, dit jeht bei diese Währungsdinge ausschließlich darum, ob die n ausjeglichenen Haushalt ham oder Schulden machen, darum jeht et. Da kann ne große Wirtschaft sogar noch mehr Schaden machen, wenn der Staat ni jut haushalten tut.

Schweigen. Dann sagt der erste wieder.

Ach naja, weeßte, trotzdem, dit kann ja sein, dass et wat mit die Haushalte zu tun hat, aba ick würde trotzdem saren, die schwachen und kleen erst mal alle raus! Die im Osten da, die solln sich erst ma, die ham do no jar keene Wirtschaftskraft, die brauchen no Jahrzehnte, bis die mit uns uffjeschlossn ham. Die müssn sich do erst ma entwickeln!

Dit stimmt, sagt nun wieder einer, die ham ja grade erst anjefang!

Jenau, sagt der erste wieder, deshab will ick dir saren, die Esten und die alle, erst ma raus.

Die Esten haben einen der janz wenigen ausjeglichenen Haushalte in Europa, insistiert der Kleine nun wieder. Und solange der Haushalt ausjeglichen is, is dit alles bestens.

Jetzt mault der erste nur noch herum. Und die anderen sind still. Der Kleine hat gewonnen.

Man soll die Stammtische nicht gering achten. Es darf sich bloß keiner zu schade sein, zu widersprechen.

Neulich bei einer Party im Oderbruch, mit vielen Gästen aus großen deutschen Städten

A: Und, wie sind die Leute hier so?
B: Wie ... sind?
A: Na, ich meine, wie die hier so drauf sind. Ich hab den Eindruck, die sind ganz nett.
B: Mh. Manche sind so, andere so.
C: Also ich glaube, die sind total fremdenfeindlich hier. Mich haben sie im Dunkeln in die falsche Richtung geschickt. Das war doch Absicht! Solche Arschlöcher.
A: Also auf mich haben sie einen ganz netten Eindruck gemacht.
B: Mit wem hast du denn geredet?
A: Na, mit dem Kneiper.
B: Sonst mit niemandem?
A: Naja, bisher....
C: Wovon leben die denn hier eigentlich?
B: Das ist verschieden...
C: Also machen die hier alle Landwirtschaft oder was? Kann man denn davon leben?
B: Manche schon.
C: Oder sind die arbeitslos oder wie?
B: Manche sind arbeitslos, aber es gibt auch welche...

C: Das ist doch keine Perspektive, wenn du hier draußen arbeitslos bist. Und die andern fahr‘n alle Trecker oder wie?
B: Also...
C: Und wo gehen die Kinder hier zur Schule? Gibt es hier überhaupt Schulen?
B: Ja, schon, durchaus, es gibt...
C: Und wie kommen die da hin? Werden die gefahren? Und was machen die in ihrer Freizeit? Wo geht ihr denn hier einkaufen?
A: Ich war ja heute Nachmittag schon da, wir waren in einem Nettomarkt. War eigentlich ganz normal, so, wie man das kennt halt.
C: Könnt ich nich. Auf kein’ Fall. Nä. Könnt ich nich.
A: Also, ich fand sie ganz nett.
C: Nä. Also das wär das letzte.

Regionaler Schabernack

Dear God! Thank for that lovely day and help me not to forget: Never trust a Corkman!

Dieses Stoßgebet kommt aus Irland. Mit hoher Wahrscheinlichkeit ist es völliger Unsinn, es besagt, dass die Menschen aus der südirischen Stadt Cork regelmäßig die Unwahrheit sagen. Trotzdem hält es sich, es ist nämlich ein beliebtes Vorurteil.

Aber es ist ein ganz anderes Vorurteil als jene, die wir bisher behandelt haben. Es ist Teil eines Spiels. Das Spiel lautet: Wir gehören zusammen, wir bilden eine Gemeinschaft, ob wir es wollen, oder nicht. Und da bei uns nicht so viel los und es manchmal sogar ein bisschen langweilig ist, erzählen wir übereinander Geschichten, bauschen Mücken zu Elefanten auf und unterstellen uns gegenseitig Eigenschaften, mit denen wir uns dann aufziehen und necken können. Wir bezeichnen harmlose Ehemänner als Schürzenjäger, unbescholtene Frauen als Klatschweiber und die Leute aus dem Nachbardorf als Schildbürger. Wir machen die Differenzen zwischen uns sagenhaft groß, als hätten wir es mit harten Kontrasten zu tun. Wir vermischen Wahrheit und Dichtung, wir treiben Schabernack.

Wenn man so etwas ein paar Generationen lang macht, am besten ohne Unterbrechung durch Kriege und ähnliche Katastrophen, dann wird aus so einer ländlichen Gegend das reinste Wunderland. Auf Schritt und Tritt gibt es dann herrliche Lügengeschichten und da diese sich immer mit wahren Begebenheiten vermischen, findet man sich bald nicht mehr zurecht, es sei denn man strickt mit an den ganzen Legenden.

Hier im Oderbruch gibt es einen Mann, der an ähnlichen Entwicklungen arbeitet. Er ist der reinste Lügenbaron und alles, was er sagt, stimmt. Und er pocht immer darauf, dass sich die südlichen, die mittleren und die nördlichen Landesteile des Oderbruchs fundamental voneinander unterscheiden. Sie haben völlig verschiedene Mentalitäten und überhaupt sind die Leute ganz und gar anders. Wenn er einen anruft, dann verweist er immer darauf, dass er aus dem mittleren Oderbruch anruft. Diese Angabe ist ihm sehr wichtig und damit hat er ja auch Recht. Denn in Groß Neuendorf, wo er wohnt, kleben die Leute doch die Briefmarken immer hinten auf den Brief auf und wenn sie am Deich spazieren gehen, dann werfen sie den Anglern immer Kraut vor den Haken. Sowas würden wir hier im Norden natürlich nie machen. Wir haben andere Hobbys. Aber die verrate ich nicht. Allerdings sind wir sehr fleißig. Ein jahrzehntelang hier engagierter Wasserbauer erzählt deshalb immer gern die Geschichte, dass beim 1947 Hochwasser ganze Scheunen von den Fluten in der alten Oder mitgerissen worden sind. Wenn man am Ufer stand und durch die offenen Tore der vorbeitreibenden Gebäude blickte, sah man, dass da drinnen unbeirrt gedroschen wurde!

Guten Tag, Mohammed,

ich habe einen Teil deiner Geschichte kennengelernt, weil Miriam Faßbender einen Film über dich gedreht hat. Du bist aus Mali von deiner Familie nach Europa geschickt worden, um hier Geld zu verdienen und es nach Hause zu schicken. Du wolltest nicht gehen, viel lieber hättest du eine kleine Landwirtschaft in deiner Heimat aufgebaut und deine Ernte in der nächsten Stadt selbst verkauft. Aber als ältestem Sohn blieb dir nach dem Tod deines Vaters keine andere Wahl als das zu tun, was in deinem Land gegenwärtig als das einzig Richtige gilt.

Miriam hat deinen Weg über mehrere Jahre begleitet. Die Flucht nach Europa ist keine flüssige Reise. Sie geht mühsam und langsam von Land zu Land nach Norden vonstatten, weil man immer wieder Geld verdienen muss, um die nächste Grenze zu überwinden. Man ist immer auf der Hut, denn das Leben außerhalb des Herkunftslandes ist illegal und man kann als rechtloser Mensch nicht nur ausgebeutet, sondern auch bestohlen und leicht des Landes verwiesen werden. Mit dir sind tausende andere junge Männer unterwegs. Ich habe kaum fassen können, wie quälend diese Zeit und das dauernde Warten sind, ich hatte mir das alles ganz anders vorgestellt. Und es hat mich erstaunt, wie du trotz der prekären Umstände ohne Obdach und Geld an dir gearbeitet hast, dich gepflegt und gewaschen und darum bemüht hast, nicht zu verwahrlosen. Einmal sieht man dich an einem Wasserrohr in Marokko stehen und dir die Zähne putzen. Dieses Bild verfolgt mich.

„Fremd“ heißt der Film, der über dich berichtet, weil du über viele Jahre als Fremder in der Welt leben musst. Auch wenn es mir peinlich ist, so möchte ich dir doch sagen, dass mich der Film über dich überrascht hat und ich mich bei irrigen Vorstellungen über dich ertappt habe. Denn – und das ist das Peinliche – ich hätte nicht erwartet, einen Menschen zu erblicken, der sich so ähnlich ausdrückt, wie ich es gewohnt bin und an dem ich so viel Vertrautes entdecke.

Bitte versteh mich nicht falsch, ich will die Unterschiede zwischen uns nicht klein reden. Aber uns wird immer erzählt, dass wir so immens durch unsere Kultur und Erziehung geprägt werden. Also meint man, sich auf irgendeine Weise sehr von anderen Menschen an anderen  Orten zu unterscheiden. In dem Film habe ich verstanden, dass du eigentlich nichts weiter willst, als ein normales Leben zu leben. Du hast keine irrigen Vorstellungen von Reichtum und Glück und auch keine besonders anderen als ich. Du nimmst dein Schicksal an und versuchst, das Beste daraus zu machen. Ich bewundere deine Zähigkeit und Geduld. Da du es auch beim dritten Mal nicht geschafft hast, nach Europa zu kommen und nun in Mali als Busfahrer arbeitest (während deine Mutter dich außer Landes wähnt und dich tadelt, dass du zu wenig Geld schickst), hoffe ich, dass die jetzt aufflackernden Konflikte im Land dich nicht erneut gefährden.

Wie soll man es sagen? Vielleicht so, wie ein Freund es einmal anhand eines Fotos sagte, das er mir von einem nordafrikanischen Paar zeigte. Die beiden saßen in einer winzigen Hütte, hatten einen Fernseher, einen Tisch und ein Bett und sahen in die Kamera. Und mein Freund sagte: Die wollen auch bloß ein bisschen glücklich sein.
Das wäre eigentlich genug. Wäre es wirklich.

Jimi Hendrix in Neutrebbin

Im letzten Jahr stand ich oft vor Kindern. Sie lernten in vierten Klassen in Grundschulen im Oderbruch und wir hatten vom Oderbruchpavillon aus landschaftskundlichen Unterricht gegeben. Zum Lehrer bin ich nicht gerade geboren. Größere Kindergruppen verursachten mir Fluchtreflexe: es ist mir zu laut und zu schnell, ich komme nicht mit und fühle mich von der kindlichen Gruppendynamik getrieben. Schon meine eigenen Kinder sind mir einzeln am liebsten, ich verliere leicht den Überblick.

Aber in einem Moment war es, als bliebe die Zeit stehen, ein Augenblick der Stille, man konnte den Kindern in die Gesichter sehen. Sie hörten zu, viele mit offenem Mund. Wenn ich etwas fragte, bemühten sie sich um Antwort. Es war eine knisternde Atmosphäre, und ich habe mich in die Kinder verliebt – nicht nur in jene, die da saßen, sondern überhaupt. Seitdem sehe ich sie anders an, wenn ich die Klassen betrete. So stellte ich viele Unterschiede fest. Es ergibt sich kein einheitliches Bild.

Manche Kinder stehen mit ihren Familien noch mit beiden Beinen in der Landschaft, während andere nur noch die sekundären Welten des Fernsehens und des Computerspiels kennen. Es kommen Kinder aus sozialen Einrichtungen und greifen begierig nach der Möglichkeit, Gedichte zu rezitieren, sie suchen sich Texte aus, die mich erschüttern. Andere wehren ab und man sieht, dass die Angst, sich zu blamieren und die Scham vor anderen sie über Jahre daran hindern werden, etwas für sich zu tun. Für Kinder, die an der Spitze der Hierarchien stehen, ist die Gruppendynamik oftmals ebenso belastend. Manche Kinder wirken verhaltensgestört, wieder andere beunruhigend frühreif, und manche scheinen es zu schaffen, ihr eigenes Tempo zu halten und sich ganz langsam zu entwickeln.

Es ist von Schule zu Schule, von Klasse zu Klasse, von Kind zu Kind verschieden. Vielleicht können erfahrene Pädagogen hier leichter Muster und Konturen erkennen. Für mich ist die Vielfalt an Herausforderungen beinahe ein Abgrund. Die verworrenen Pfade der Kinder in ein gelingendes oder bitteres Leben machen mich schwindelig. Man kann sich das sicher im Alltag nicht ständig vor Augen führen, aber es ist doch eine Sensibilisierung. Und es ist der Anfang des pädagogischen Gesprächs: Was soll ich tun, was kann ich tun, wie reagiere ich, wo muss ich Dinge hinnehmen?

Seitdem verfolge ich den deutschen Bildungsdiskurs mit Grausen. Es geht um Leistungen oder um Gewaltprävention, um Zukunftsaussichten, Kompetenzen oder Inklusion. Das sind wichtige Themen, aber wenn ich mit wachen Schulleitern oder Lehrern spreche, scheint es doch an dem, was wichtig ist, vorbeizugehen. Sie versuchen, die Kinder zu begleiten, so, wie es sich gehört. Aber sie werden seit Jahren von einem bildungspolitischen Diskurs getrieben, der versucht, Ideen in die Schule zu implementieren, statt von der täglichen Arbeit auszugehen. So wird aus gut gemeinten Konzepten eine zusätzliche Belastung für die Lehrer und ein Vorurteil davon, was die Kinder brauchen.

Der bildungspolitische Diskurs muss viel stärker von den Lehrern getragen werden! Sie müssen ihre Zunge lösen und von ihren Erfahrungen berichten, sie auswerten und zur Sprache bringen, auch wenn ihre Dienstherren es nicht gutheißen. Nur so werden unsere Schulen zu Bildungseinrichtungen.

In einer siebenten Klasse erzählte ich von der Lyra, zu deren Klängen die antiken Sänger ihre Verse vortrugen. Der Gott Apoll spielte sie, und er war Linkshänder. Ob einer von den Schülern einen linkshändigen Gitarristen kenne? Mustafa meldete sich, in seinen Augen ein Leuchten. JIMI HENDRIX! platze er heraus.

Auf der Heimfahrt dachte ich an Mustafa, an Jimi Hendrix, an den ganz kleinen Jungen in der ersten Reihe und an das Mädchen, das jetzt schon so aussah, als warte sie sehnlichst darauf, hier wegzukommen. Oh Gott, dachte ich.

Graue Provinz und die Depressionen

Man sagt, die Provinz sei grau, man sagt, sie trist, man sagt, hier sei der Hund begraben. Was Letzteres anbelangt – das kann sein. Hier sind wirklich viele Hunde begraben. Und zwar überall und nicht, wie in den Ballungsgebieten, auf Tierfriedhöfen. In der Pampa: Auf Schritt und Tritt de facto Hundegräber, ohne dass man es weiß. Denn in den Dörfern gibt es ja viele Hunde, nicht umsonst sagt man bei einem schlechten Blatt im Kartenspiel: aus jedem Dorf  `n Hund.

Bis auf eine Ausnahme. Ein Bekannter von mir hat einen eigenen Tierfriedhof angelegt, gleich an der alten Oder. Da hat das Pony ein eigenes Grab und die Hunde seines langen Lebens haben auch eigene Gräber, richtig mit Kreuz und Namen. Nur die Katzen haben ein Gemeinschaftsgrab, allerdings auch mit Inschrift. Steht drauf: Katzen.

Was die Tristesse anbetrifft, da muss man das Erscheinungsbild der Provinz (vor allem zu bestimmten Jahreszeiten) vom Gemütszustand der Leute unterscheiden. Wie immer es hier aussehen mag, man sollte sich da nicht täuschen lassen. Jedenfalls wäre die Behauptung, der Verfall von Gebäuden oder die Unansehnlichkeit vieler Provisorien fördere Depressionen, eine Überprüfung wert. Ich vermute, sie würde mit dem gegenteiligen Ergebnis enden: In der Provinz haben wahrscheinlich weniger Menschen seelische Leiden, als in den großen Ballungsräumen.

Aber auch das ist nur eine Vermutung. Sie stützt sich zum einen auf einen Dialog in dem Film Crocodile Dundee, wonach die Menschen auf dem Dorf keinen Psychologen bräuchten, weil sie ihre Probleme dem Wirt erzählten. Der trage das Problem dann an alle anderen Dorfbewohnern weiter und dann hätten die Betroffenen kein Problem mehr. Dieser Zusammenhang hat mir schon immer sehr eingeleuchtet.

Zum anderen stützt sich die Vermutung auf die eigene Erfahrung, nach der es gerade unter den prekären Lebensverhältnissen oftmals viel lustiger zugeht, als man denkt. Das führt jetzt ein bisschen weit, deshalb nur ein kleines Beispiel.

Ralle und Kalle sitzen am Grill, Bier in der Hand, Zigarette. Ralle sagt: Haste meine neue Handynummer schon?

Kalle holt sein Handy heraus, schickt sich an, die Nummer einzutippen und sagt: Nee. Jib ma her!

Ralle legt los: Eins, zwei, drei, vier, fünf...

(Kalle tippt und tippt)

Ralle diktiert weiter: sechs, sieben, acht...

(Nun hat Kalle es geschnackelt, sehr wütend:) MENSCH SO NE NUMMER JIBT ET DO JA NI!

Nachdem alle eine halbe Stunde lang gelacht hatten, konnte auch Kalle ein Grinsen nicht mehr unterdrücken. Die Provinz ist, in gewisser Hinsicht, die Geburtsstätte des Humors. Denn hier sitzen Leute mit Zeit.

Schöne und intellektuelle Menschen

Vor ein paar Monaten hatte ich Besuch von einem Bekannten aus einer größeren Stadt. Er war hier für ein paar Tage im Urlaub und hatte sich schon ein paar Stunden umgesehen. Und nun kam er zu mir und verkündete: Es sind keine schönen Menschen hier.

Ich sah meinen Bekannten an, in dessen Zügen langsam die Physiognomien der eigenen Eltern den Sieg errangen – die Jugend vorbei, nun kommt im Gesicht die Stunde der Wahrheit: Wie hast du gelebt, wer bist du? Man kann die Wirklichkeit des eigenen Lebens nicht mehr mit üppigen Haaren oder jugendlicher Energie übertönen. Und nun also ein Urteil über die Schönheit des hiesigen Menschenschlags.

Man kennt das von manchen Männern. Sie unterhalten sich über schöne Frauen als wäre es eine ausgemachte Sache, was an einer Frau schön ist. Das hat mich schon immer irritiert. Dabei ist es eine alte Weste: Schönheitsnormen trüben den Blick für das, was an einem Menschen schön sein kann. Aber wie will man das sagen? Und während ich noch überlegte, war mein Besuch schon zum zweiten Thema übergewechselt. Hier seien so wenige Leute wie ich, so vom intellektuellen her, wie ich denn damit klarkäme?

Naja, das lässt sich leichter beantworten als das mit der Schönheit. Denn in Bezug auf die Helligkeit der hiesigen Geister ist es falsch, wie sich aus manchem bisherigen Adventskalendertürchen hoffentlich ergeben hat. Und zweitens, sollte nur von der fachliche Prägung die Rede sein, dann gibt es eine ganz einfache Antwort: Nein, da fehlt mir gar nichts.

Neulich kam mein Nachbar und half mir, einen Hahn zu schlachten, oder besser: Ich hatte Angst davor, also machte er es für mich. Es dauerte lange, denn mein Nachbar ist ein bisschen einsam und er musste sich ein paar Sachen von der Seele reden. Wir tranken ein Bier und dann noch eins und bekakelten alles, was so passiert war in der letzten Zeit. Es war ein unvergesslicher Abend. Er war besser als manch anderer.

Dagegen gibt es hier wie überall Leute, die meinen, sich von den anderen durch ihr kulturelles Kapital zu unterscheiden. Sie denken tatsächlich, sie seien hier auf dem Land von dummen Menschen umgeben. Was immer man auch dazu sagen und denken mag, das ist wirklich dumm.

Man muss es immer wieder sagen

Einige Jahre ist es her, da bekam ich von einem Künstler aus dem Oderbruch einen Brief. Er hatte meine Kolumne über den kirchlichen Reformprozess gelesen und machte mir nun Vorwürfe, dass ich mich da einmischte, statt gegen den Wriezener Kaisermarkt zu wettern. Er jedenfalls sei froh, wenn dieses grässliche Kirchenläuten im Oderbruch endlich verstumme. Offensichtlich war die Kirche für ihn das Letzte und alle, die dazu gehörten, auch. Ich überlegte einen Moment, ob ich ihm anbieten sollte, seine Position im Oderbruchpavillon selbst darzulegen, ließ es dann aber. Denn es ging dem Künstler nicht darum, Argumente zu gebrauchen sondern darum, einer bestimmten Gruppe an Menschen das Recht streitig zu machen, hier zu leben.

Immer wieder werde ich mit allen möglichen Vorurteilen gegenüber Menschen konfrontiert, die sich als Christen bezeichnen. Sie seien dumm (Auferstehungsglaube und das ganze Zeug) oder unehrlich (denn sie glaubten ja wider besseren Wissens an Dinge, die nicht wahr seien)  und außerdem eine Bedrohung (denn man könnte von ihnen missioniert werden). Da wir nun bald Weinachten haben, seien hier einige Dinge festgestellt – nur, damit wir das einmal geklärt hätten.

Erstens: Wie in jeder Kultur der Nordhalbkugel gibt es auch in unseren Vorläuferkulturen zur Wintersonnenwende bestimmte Feste, die sich der Vorfreude auf die länger werdenden Tage widmen. Sofern es die germanischen Bräuche betrifft, hat es diese unzweifelhaft gegeben, es ist aber fast nichts darüber bekannt, außer den zweifelhaften Erkundungen, die die völkische Forschung in der Nazizeit angestellt hat (die Nazis wollten das Christliche an Weihnachten unbedingt ausradieren).

Zweitens: Weihnachten, wie wir es heute kennen, ist ein überwiegend christlich geprägtes Fest, hinzu kommen allerdings Anteile der Nationalstaaten (z.B. die Verdienste des deutschen Militärs bei der Etablierung des Weihnachtsbaumes) und der kapitalistischen Konsumkultur (z.B. die heutigen Normen des Geräteschenkens). Jede dieser Zutaten hat bekanntlich ihre Licht- und Schattenseiten. Man kann das Fest feiern wie man will, aber man sollte keinen historischen Unsinn verbreiten.

Drittens: Es gibt Menschen, die sich als religiös bezeichnen und es gibt solche, die sich als nicht religiös bezeichnen. Der Unterschied zwischen beiden ist einfach: Religiöse Menschen gehen davon aus, dass Fragen der Hoffnung, der Furcht und der Sterblichkeit einer gesonderten, sie in Beziehung zueinander stellenden Behandlung bedürfen, während nicht religiöse Menschen der Meinung sind, dass dies nicht nötig oder ihnen nicht möglich ist. Dieser Unterschied hat nichts mit dem Glauben schlechthin zu tun, denn alle Menschen (auch die nichtreligiösen) vollziehen jeden Tag unendlich viele Glaubensakte, denn Glaubensakte sind für die Menschen lebensnotwendig.

Viertens: Es gibt Menschen, die einer Kirche angehören und solche, auf die das nicht zutrifft. Jene, die Glaubensgemeinschaften miteinander bilden, sind der Meinung, dass eine kollektive und kontinuierliche Verständigung über die o.g. Fragen ihrer Kultur des Glaubens nutzt – und umgekehrt.

Fünftens: Die Entscheidung, sich als Christ zu bezeichnen, kommt weder einer Vereins- noch einer Parteimitgliedschaft gleich, weshalb man auch nicht einzelne Christen für alle Dummheiten der Kirchengeschichte haftbar machen sollte. Es ist eine individuelle Entscheidung, aus der viele offene Fragen hervorgehen, wenn man sie ernst nimmt. Man wird nicht zu einem guten Menschen dadurch, dass man Christ wird, man wird nicht zu einem guten Menschen, dadurch, dass man es nicht wird, man wird weder durch das eine noch durch das andere zu einem glücklichen oder klugen Menschen. Es kommt vielmehr immer darauf an, was man als religiöser oder nicht religiöser Mensch, als Angehöriger oder Nicht-Angehöriger einer Glaubensgemeinschaft tut und vertritt.

So einfach ist das. Und muss doch immer wieder gesagt werden.

Was wir uns antun, wie wir uns ansehen

DU MUSST LAUTER SPRECHEN! ER VERSTEHT DAS NICHT! ER HÖRT SCHLECHT!

Ist doch gut, ich hab‘s doch verstanden!

ICH HAB GESAGT, DU HÖRST SCHLECHT!

Ja, ja! Ist ja gut!

So hört man alte Paare manchmal reden. Der eine, stärker von den Gebrechen des anderen betroffene Partner, reibt Salz in die Wunden des Unvermögens, überhöht es und macht den anderen vor dritten schwächer und verfallener, als er ist.

Es ist die Ungeduld, es ist die Ohnmacht gegenüber dem Unabänderlichen. Man wird gereizt, man hält sich schadlos für das, was einem das Schicksal durch den anderen antut. Es ist, als errichte man ein bizarres Vorurteil von dem Menschen, der einem doch eigentlich am liebsten ist – wie um ein Bild zu schaffen von dem, was einen quält.

Das gibt es auch in anderen Familienbeziehungen: Kinder, die genervt von ihren Eltern sind und ihnen nicht mit Milde und Solidarität gegenübertreten. Eltern wiederum, die ihre Kinder hartnäckig gängeln und hinterfragen und ihnen manchmal über Jahrzehnte die Anerkennung verweigern. Wir schaffen Zerrbilder von unseren pubertierenden Kindern und ebenso von unseren alternden Eltern. Es ist grausam, aber nachvollziehbar.

Arno Geiger hat in seinem Buch „Der alte König in seinem Exil“ seine Erfahrungen mit seinem dementen Vater beschreiben. Er sagt: Ich bin dankbar, dass er in einem Pflegeheim am Ende so behandelt wurde, dass er in dem schmalen Bereich, den er noch beherrschte, seine Würde behalten konnte. Dadurch blieb doch etwas erhalten, in dem er bis zum Schluss er selbst blieb.

Das ist der umgekehrte Weg: den anderen dabei zu unterstützen, von seinem Unvermögen nicht beherrscht zu werden.

In meinem Fitnessstudio trainiert ein altes Ehepaar, er ist deutlich eingeschränkter als sie. Die beiden haben etwas Hübsches und Zartes in der Art, wie sie miteinander umgehen und aufeinander achten. Man sieht: Es geht alles nicht mehr so leicht, aber sie unterstützen sich gegenseitig. Sie vertrauen sich und dem Weg, auf dem sie sich gegenseitig halten.

Ich wünsche mir, dass mir das mit meiner Frau einst gelingt. Und, auf andere Weise, mit meinen Eltern und Kindern auch.

Wir evaluieren uns dumm

„Die Ausführungen von Herrn Anders waren zum Teil etwas abgehoben, zu wenig praxisorientiert.“ So stand es in einem Evaluierungsbogen, den eine Studentin über mich ausgefüllt hatte. Ich hatte ein Blockseminar im schönen Breisgau gegeben und sie hatte dem ersten Teil des Seminars mit säuerlichem Gesichtsausdruck beigewohnt. Am zweiten Tag war sie gleich gar nicht mehr erschienen, sie hatte genug gehört. Aber ihre Meinung musste sie natürlich trotzdem noch loswerden.

Seit einigen Jahren gilt die Evaluierung von Lehrenden an Schule und Hochschule als besonders lobenswert. Da ich – obschon nur sporadisch lehrend – bereits viele Male evaluiert worden bin, möchte ich die Erwartungen an diese politisch korrekte Angewohnheit heute als Vorurteil bezeichnen. Zugegegeben, da bin ich vielleicht etwas einseitig, aber es muss doch mal sein: Die Lehre wird dadurch nicht besser. Sie wird im besten Falle nicht schlechter.

Was passiert mit den ganzen Ergebnissen der Evaluierungen? Sie werden nicht öffentlich diskutiert, da sind die Personenrechte davor. Ohne öffentlichen Diskurs aber wird sich nie eine kollektive Vorstellung davon herausbilden, was gute Lehre ist und was nicht. Somit wird das Evaluieren zu einem persönlichen Geschmacksbekenntnis, das der Einschätzung, ob einem eine Biersorte schmeckt oder nicht, wenig voraus hat. Es ist kein qualifiziertes Urteil. Da aber trotzdem allgemeine Stimmungsbildungen und Rückkopplungen damit einhergehen, bleibt in der Regel nur eines übrig: die orakelhafte Warnung an die Lehrer, ja nicht zu viel von ihren Schülern zu verlangen. Sie sollen ihre Aufmerksamkeit und Konzentration nicht zu sehr fordern, nicht so viele Fachbegriffe gebrauchen und vor allem sollen sie die Schüler öfter belohnen: mit kleinen Pausen (Arbeitsgruppenphasen) und mit Erfolgshäppchen. Auf keinen Fall aber darf man längere anstrengende Prozesse mit den Schülern verfolgen, da geht sofort die Evaluierungshupe an. Wie ja beim Verteilen schlechter Noten auch. Ich behaupte: Durch das Evaluieren entsteht gerade zu eine Kultur der Unlust.

Was ist mit den wirklich schrecklichen Lehrern? Jeder kennt sie und alle wissen, dass sie ein Problem darstellen, auch ohne Evaluierung. Kann man sie nun entlassen, umerziehen oder was nun? Nein, sie werden weitermachen, da hilft alles Evaluieren nichts.

Es ist richtig, dass Schüler und Studenten ein Instrument der Konfliktaustragung benötigen, wenn für sie unannehmbare Zustände den Unterricht prägen. Im besten Falle sollten sie sich direkt an den Lehrenden wenden, wenn das nicht möglich ist oder sie sich nicht trauen, müssen sie eine Vertrauensperson haben. Aber ich weiß noch sehr genau, dass sich mein Bild von den Lehrern in meiner Kindheit mehrfach gewandelt hat. Unsympathische Lehrer stellten sich als wahre Schätze heraus, strenge Kollegen einfach als klar (und im Zweifelsfall milde) und die anfangs beliebten Kumpels waren nicht selten, Verzeihung, Luschen.

Es mag ja sein, dass die heutigen Schüler und Studenten durch das Evaluieren eine erheblich bessere Urteilskompetenz erlangen, als ich damals, ja, es wäre zu wünschen. Ich muss allerdings sagen: dann wird es aber langsam Zeit!

Weihnachtsputz

Ich kenne viele Leute mit Weihnachtsphobien. Sie haben Angst vor falscher Harmonie, sie irren durch die Katakomben der Familienstreitigkeiten, sie müssen sich und der Welt etwas beweisen: Weihnachten ist Lüge, der Frieden ist falsch, das Geschenk bloß gekauft usw.

Ich dagegen bin ein Weihnachtsromantiker. Der Zauber der Kindheit hat sich bei mir nie ganz verloren, noch immer gibt es Momente, in denen es leuchtet, trotz der abgründigen Schichten dieses Festes, die unter den Füßen bedrohlich knirschen wie kalter Schnee. Weihnachten besteht für mich zwar wirklich aus  Momenten, in denen die Welt besser scheint, als sie ist. Man weiß es. Und doch ist es mehr als eine Täuschung: Es ist eine Möglichkeit, zu leben – in Frieden.

Aber was ist das für ein Frieden? Ein Frieden der Besinnlichkeit? Nein, es ist ein lauter Frieden wie Bobrowski gesagt hat (ein lauter Frieden, das gibt es), nicht im Sinne von Krach, sondern im Sinne von Leben.
Das geht an der Krippe schon los. Wenn da wirklich Hirten und Ochs und Esel und Könige ein und aus gingen, dann war es ein sehr belebtes Geschehen, so viel steht fest. Belebt, ohne deshalb eine Party zu sein. Denn der Geburtstag, den man hier feierte, war der von einem, der später ans Kreuz gehen sollte. Vielen Weihnachtsgeschichten und -kompositionen ist dieses Wissen bereits eingeschrieben.

Und wir, zu Hause oder wo immer wir uns aufhalten? Bevor wir feiern, haben wir zu tun: Geschenke besorgen, basteln und einpacken, schmücken und vor allem putzen, immer wieder sauber machen und putzen. Das ist eine sehr wichtige, ganz unbesinnliche, dafür aber sinnliche und sinnvolle  Tätigkeit. Die älteren Männer werden von ihren Frauen noch einmal losgeschickt, das Auto waschen, sie machen derweil zu Hause klar Schiff.

Die Hexen in den Romanen von Terry Pratchett müssen immer ganz viel putzen; Dielen scheuern, die Möbel abstauben usw. Beim Putzen kommt der Mensch zu sich, indem er etwas für die Dinge tut. Man sagt auch: den Baum putzen. Es ist mehr, als ein paar Sachen an ein grünes, abgehacktes Pflänzchen zu hängen, es ist die Anstrengung, das gemeinsame Leben für einen Moment schön zu machen, es gelingen zu lassen. Während man sie unternimmt, gehen einem Sachen durch den Kopf und man kommt zur Besinnung. Das ist schön.

Wer immer eine Weihnachtsphobie hat, sollte an diesen Tag einfach die Wohnung saubermachen. Und dann noch etwas mehr tun, ein klitzekleines bisschen!

Fröhliche Weihnachten!

Noch ein letztes Mal gehen wir ins Fitnessstudio. Die besten Unterhaltungen gibt es an den Spinden beim Umkleiden. Zwei Männer, um die fünfzig, ordentlich was auf den Oberarmen.

Und, wat machst du de Feiertare üba?

Ick kiek imma die janze Zeit Märchenfilme. Die janze Zeit. Uffm drittn. Da komm die, die altn Ostvafilmungen!

Ach so, ja, dit kiek ick mir och jerne manchet Ma an.

Ick sare dir, dit is herrlich, ist ditte.

Ja, grade hab ick do o ehn jesehn, hier watte ma, dit mit dit singende klingende Bäumchen!

Ja, der is jut, und die da die Hauptrolle spielt, dit is och die, die bei der Frau Holle die Joldmarie spielen tut. Jenau die ist dit.

Mh. Frau Holle hab ick no ni jesehn.

Musste dir ma ankiekn. Et jibt ja jetze och neue Märchenfilme, so wat se jetze machen, wat se wieda neu vafilm tun. Aber die tauren ja nüscht!

Dit sach ick och imma, wat war dit neulich, wat se jemacht ham?

Na an allet möchliche ham se sich auspobiert, Hänsel und Gretl und wat ni allet, aba die könn det nich. Man könnte do einfach saren: Da ham wa jute Märchenfilme, n Schatz is dit! Aba nein, man muss ja allet neu machen! Son Quatsch! Na, ein Glück damit die altn no jezeicht wern!

Wir schleichen uns davon uns wünschen den beiden Herren von Herzen gemütliche Feiertage mit einem entsprechenden Fernsehprogramm. Und uns auch – vorurteilsfrei und fröhlich, wie Weihnachten sein soll.