Alles neu!

Warum man gern einmal jammern möchte, es aber nicht sollte, dann aber doch tut – aber nur um sich schließlich ein bisschen zu loben.

Kenneth Anders, 14.12.2010

Kolumne vom 03.12.2010

Das Oderbruch sind alle, die es gestalten.

Klagen sind nichts Schönes. Wer jammert ist nicht erfolgreich, tut sich selbst leid und ist undankbar. Das ist alles richtig. Deshalb habe ich mich entschlossen, in dieser Kolumne, die vom Oderbruchpavillon selbst handeln soll, nicht zu klagen, obwohl mir ein bisschen danach ist.

Ich werde also nicht darüber lamentieren, dass sich die Politik zusehends auf einflussreiche Institutionen stützt und keine Lust auf selbst organisierte Initiativen auf dem platten Land hat. Der Teufel scheißt am liebsten auf den größten Haufen – warum sollte es im Bereich der Regionalentwicklung und Landschaftsforschung anders sein? Ebenfalls werde ich nicht darüber schreiben, dass wir als Initiatoren in den Augen vieler Kollegen nicht ganz richtig im Kopf sind, weil wir etwas tun, wozu wir gar keinen Auftrag haben. Dass manche dieser Kollegen wiederum ihr Brot mit oftmals leeren Formeln von "Bildung für nachhaltige Entwicklung" oder "multifunktionale Landwirtschaft" verdienen – diese Analyse heben wir uns für ein andermal auf. Die Arroganz öffentlich bestallter Amtsmenschen oder Institutsmitarbeiter, die sich in Kommentaren wie "Sie leisten Sterbehilfe!", "Wo ist die Botschaft?" oder anderem Unverstand äußert (sie würde eine eigene Kolumne füllen): Ich begrabe sie im Herzen. Ja, manchmal geht uns fast die Puste aus. Aber davon, dass die meisten schriftlichen Anfragen nach Partnerschaft oder Unterstützung inzwischen nicht einmal mehr beantwortet werden, soll auch nicht weiter die Rede sein.

All diese Dinge werden heute beiseite gelassen, denn das Gute und das Schlechte sind gehüpft wie gesprungen. Genauso gut könnte man davon erzählen, dass diese Internetseite ständig wachsende Besucherzahlen verzeichnet. Dass uns die lokale Presse von Anfang an gut begleitet hat und auch die überregionalen Medien immer wieder interessiert vorbeischauen. Dass Menschen aus Lüneburg, Romrod oder Dänemark den Witz an unserer Unternehmung schon nach drei Sätzen erfassen konnten. Dass im Oderbruch immer mehr Menschen ein offenes Nachdenken über Regionalentwicklung zu schätzen wissen und uns das auch sagen. Dass uns manche Akteure von Anfang an unterstützt haben – mit Zeit, eigenen Beiträgen und wirklich guten Ratschlägen. Dass das Oderbruch durch den Pavillon nach und nach als Landschaft anders wahrgenommen wird. Dass die meisten Menschen vor Ort, wenn man sie bittet, uns ihre Sichtweise zu schildern, keine Minute brauchen, um zu verstehen, was wir von ihnen wissen wollen. Dass die Sommerschulen mit Studenten und Mitarbeitern der Hochschulen Eberswalde und Osnabrück sehr viel Spaß machen. Dass immer mehr Menschen in unsere Veranstaltungen kommen, die eigene Klarheit wächst, die Sprache im Diskurs sicherer wird, dass sich nach und nach die politische Sicht auf unsere ganze Gesellschaft verändert, auf die Rolle der ländlichen Räume und das Schicksal der Städte. Dass sich tatsächlich aus den ganzen einzelnen Bausteinen, die im Oderbruchpavillon gesammelt werden, Konturen einer Chance auf Regionalentwicklung abzeichnen. Dass die Zusammenarbeit mit Künstlern, Designern, Wissenschaftlern, Planern, Landwirten, Handwerkern und Praktikern in der Landschaft eine wirkliche Transdisziplinarität ist und keine der so häufig zu findenden "Stakeholderverbrennungen". Und nicht zuletzt, dass es etwas Schönes ist, mit Sinn und Verstand einer freien Sache nachzugehen, sie wachsen zu sehen und genauso viel Sorgfalt fürs Detail als auch Leidenschaft für die Utopie einer selbstorganisierten Landschaftsentwicklung aufzubringen. Das könnte man auch alles erzählen.

Aber stattdessen gilt es heute zu berichten, dass wir nach sieben Jahren eine blitzneue und – wie wir finden - schicke Webseite eingerichtet haben, die dem immer umfangreicher werdenden Material im Oderbuchpavillon besser gerecht werden soll. Es gibt eine wirklich hilfreiche Suchfunktion. Die Kolumnen für landschaftspolitische Positionen erhalten einen exponierten Ort. Eine Bibliografie mit Literatur über das Oderbruch wird ebenso eingerichtet wie eine Text- und Pressesammlung. Die Links ins Oderbruch werden zukünftig systematischer präsentiert. Und wer in unseren Verteiler über neue Beiträge und Veranstaltungen aufgenommen werden möchte, kann sich unter "Kontakt" einfach eintragen. Die Seite wird es uns zukünftig auch ermöglichen, eine zu gründende Akademie für Landschaftskommunikation zu präsentieren und Förderer des Oderbruchpavillons gebührend kenntlich zu machen.

Im Oderbruchpavillon wird gesammelt, was wir an wichtigen Aussagen und Wissensbausteinen zur Entwicklung dieser Region finden – und was uns dazu von anderen mitgeteilt wird. Man kann sich das wie ein Archiv vorstellen – und doch ist mehr damit beabsichtigt. Denn die einzelnen Beiträge sollen hier nicht nur öffentlich verfügbar sein, sie werden auch immer wieder neu zusammengefügt, miteinander verknüpft und in den Umlauf gebracht. Altes und Neues, Kleines und Großes, alles wird dafür genutzt. Kinder spielen mit einfachen Bausteinen, sie setzen sie zu Gebäuden zusammen, reißen ihre Türme wieder ab und bauen von vorn. So ähnlich machen wir es auch, um uns und alle, die daran Interesse haben, in der Sache der Regionalentwicklung zu üben – nur mit dem Unterschied, dass die Bausteine nicht so einfach wie ein Spielzeug sind, sie sind komplex. Aber Spaß, mit ihnen zu bauen, macht es allemal – und es ist eine herrliche, autopoietische Unternehmung, sich den Reichtum des eigenen kulturlandschaftlichen Handlungsraum immer weiter neu zu erschließen.

Wir hoffen, dass die neue Webseite allen Nutzern des Oderbruchpavillons dazu gute Gelegenheiten bietet. Auf die zurückliegenden Jahre und auf die vor uns liegenden Pläne stoßen wir an – erst einmal, weil gerade so viele Weihnachtsfeiern stattfinden, für uns allein – im nächsten Jahr dann aber gern mit Ihnen. Denn so haben wir es ja gesagt: Das Oderbruch sind alle, die es gestalten.