Energisches Oderbruch – die Energiewende in der Landschaft

Sommerschule zur Landschaftskommunikation 2013 - 12.05.-17.05.2013

Präsentiert beim Randthema Nr. 29 im Theater am Rand in Zollbrücke am 16.05.2013

Das Oderbruch wandelt sich rasant, kaum noch zu zählen sind die Windräder, Biogas- und Photovoltaikanlagen.  Schwerer zu erkennen ist, dass sich unterdessen auch das Lebensgefühl der Menschen ändert. Studentinnen und Studenten der TU Dresden (Institut für Landschaftsarchitektur) und der Hochschule Osnabrück (Fachgebiet Landschaftsplanung & Regionalentwicklung) befragten in unserer Sommerschule verschiedene Oderbrücher nach ihren Erfahrungen, Erwartungen, Ängsten und Hoffnungen in der Energiewende. Lässt sich diese Prozess gestalten und zu einer eigenen Sache machen? Oder sind die Menschen einer von außen gelenkten Entwicklung ausgeliefert?

Die Sommerschule ist Teil des Forschungsvorhabens des Bundesamtes für Naturschutz „Den Landschaftswandel gestalten. Potenziale der Landschafts- und Raumplanung zur modellhaften Entwicklung und Gestaltung von Kulturlandschaften vor dem Hintergrund aktueller Transformationsprozesse“. Ihre Ergebnisse wurden im Theater am Rand am 16. Mai 2013 öffentlich präsentiert und zur Diskussion gestellt.

Energisches Oderbruch – die Energiewende in der Landschaft


Teilnehmer der Sommerschule 2013 in Wilhelmsaue

 


 

Zitate
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Gesprächsprotokolle

Im Folgenden werden Protokolle einzelner Gespräche wiedergegeben, die die Studenten geschrieben haben, um die verschiedenen Sichtweisen zu dokumentieren. Sie geben ein vitales Bild der Vielfalt an Zugängen zum Thema Energiewende.

Zum Lesen bitte die Überschriften der einzelnen Beiträge anklicken.

 

 


 

Neureetz mit Windenergieanlagen:
Energisches Oderbruch – die Energiewende in der Landschaft


Für einige Sichtachsen wurden Visualisierungen angefertigt, die den geplanten Windpark Oderaue vorwegnehmen. So könnte Neureetz aus Richtung Neuküstrinchen aussehen, wenn der Windpark errichtet wird.

 


 

 
Die Energiewende im Oderbruch
ein Film von Constanze König

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

Ausblick
Energisches Oderbruch - die Energiewende in der Landschaft

Ja, aber

Energisches Oderbruch - die Energiewende in der Landschaft

Der Zug rollt

Energisches Oderbruch - die Energiewende in der Landschaft

Zugereiste

Energisches Oderbruch - die Energiewende in der Landschaft

Orientierung

Energisches Oderbruch - die Energiewende in der Landschaft

Komm Voran

Energisches Oderbruch - die Energiewende in der Landschaft

Zerreißprobe

Energisches Oderbruch - die Energiewende in der Landschaft

Das passt

Energisches Oderbruch - die Energiewende in der Landschaft

Palim Palim

Energisches Oderbruch - die Energiewende in der Landschaft

Schwarzer Peter

Energisches Oderbruch - die Energiewende in der Landschaft

Autarkie

Energisches Oderbruch - die Energiewende in der Landschaft

Auf der Netzstation

Aus den Befragungen der Oderbrücher sprechen viele unterschiedliche Sichtweisen, zu einer einfachen Aussage lassen sie sich nicht verknüpfen. Die Sommerschüler haben sich dennoch intensiv mit der Frage auseinandergesetzt, welche Thesen und Erkenntnisse sich, aller Differenzen zum Trotz, angesichts einer Landschaft inmitten der Energiewende, vertreten lassen. Anhand der einzelnen Szenen, die in der Aufführung im Theater am Rand gespielt worden, werden diese Überlegungen hier knapp wiedergegeben:

 


Alle auf einmal:
Der Diskurs über die Energiewende 2013 ist laut und aufgeregt. Verschiedene Interessen, persönliche Ängste und ökologische, ethische oder soziale Argumente konstituieren diesen Diskurs. Das Engagement vieler Menschen in der Auseinandersetzung ist groß, wie die verschiedenen Argumente und legitimen Belange gegeneinander gewichtet werden sollen, bleibt aber offen.

 


Ja, aber:
Unter den Befragten herrscht ein gesellschaftlicher Konsens, dass die Umstellung der Energieversorgung auf Wasser, Wind, Sonne und Biomasse sinnvoll und notwendig ist. Trotzdem wird diese Zustimmung von vielen Einwänden bestimmt. Tatsache ist, dass sich die Gewinninteressen in der Energiewende leicht hinter der gesellschaftlichen Anerkennung ihrer Notwendigkeit verstecken lassen, während Bedenken als unvernünftig und egoistisch erscheinen. In der Energiewende ist es bisher nicht gelungen, diese moralischen Zuweisungen zu durchbrechen.

 


Der Zauberlehrling:
Mit dem Rückgriff auf Goethes Ballade vom Zauberlehrling wird an die naiv-optimistische Installierung der Energiewende durch die Politik erinnert. Im Gegensatz zur Elektrifizierung vor über einhundert Jahren wurden dieses Mal überwiegend Wettbewerbsanreize gesetzt und andere Steuerungsansätze vernachlässigt. Die Wettbewerbsanreize in entsprechen den Besen in Goethes Gedicht – einmal entfesselt, hören sie nicht mehr auf. Im Gegensatz zum Zauberlehrling fehlt in der Energiewende ein Meister, der den entfesselten Wesen Stillstand gebieten könnte.

 


Der Zug rollt:
In der Metaphorik vom rollenden Zug wird ebenfalls die Eigendynamik des gegenwärtigen Prozesses thematisiert. Entscheidend ist zunächst, wo der Zug der Energiewende überhaupt anhält, wer also auf ihm mitfahren kann, wer nur als Trittbrettfahrer geduldet wird und wer als blinder Passagier gilt. An einigen Stationen – etwa am Bürgerenergiedorf – fährt der Zug einfach vorbei. Mafiöse Beziehungen spielen bei der Zugfahrt ebenso eine Rolle wie besorgte Reisende, denen das Tempo zu hoch ist. Als eine Bürgerinitiative den Zug anhalten will, biegt dieser einfach auf ein anderes Gleis ab und fährt ins Ungewisse…

 


Zugereiste!
Eine wichtige Zuschreibung in der Auseinander-setzung über die Energiewende ist immer wieder die Einordnung missliebiger Akteure als Zugereiste, die nicht im Oderbruch verwurzelt sind und deshalb nicht mitreden könnten. Die Szene führt vor Augen, wohin es letztlich führt, wenn das Kriterium des Angestammtseins für die Relevanz von Argumenten in Anspruch genommen wird.

 


Orientierung:
Die bebaute Landschaft ändert sich durch die Energiewende drastisch. In der Szene wird gezeigt, auf welche unterschiedlichen Landmarken Menschen in der Landschaft Bezug nehmen. Wenn das Windrad den Kirchturm überragt und die Biogasanlage zum größten Baukörper des Dorfes wird, muss ich auch das Orientierungssystem der Menschen neue Anhaltspunkte suchen.

 


Schweigen Angst Ohnmacht:
Die Schriftbildfolge führt den Zusammenhang von Macht und Ohnmacht in den Auseinandersetzungen um die Gestaltung der Energiewende in den kleinen Dorfgemeinschaften vor Augen: hergestellt wird er vom Schweigen.

 


Komm Voran:
In einem Song finden die Studenten einen Ausdruck für die Offenheit und Courage, die in den Zeiten der Energiewende nötig sind: „Stell dich den Fragen und lauf nicht davon, such Perspektiven, denn die Zukunft wird komm!“

 


Gerüchteküche:
Wo nicht miteinander gesprochen wird, wachsen Gerüchte und Verschwörungstheorien. Verantwortung wird delegiert: an die Ämter, an Anwälte, Verbände, Investoren. Sich zu kümmern ist dagegen eine elementare zivilgesellschaftliche Haltung, die auch in der Energiewende durch nichts zu ersetzen ist.

 


Zerreißprobe:
Menschen passieren einander im Dorf, die im Zuge der Etablierung einer Windfarm plötzlich unterschiedliche Rollen einnehmen. Eigentlich kennen sie sich, aber die jüngsten Ereignisse haben sie in ein Geflecht an Missverständnissen und Verdächtigungen eingewoben, das die Dorfgemeinschaft beansprucht.

 


Das passt:
Was in eine Landschaft passt (und wie viel davon) obliegt vielen persönlichen Vorlieben und Prägungen. Planerisch erarbeitete Vorrang- und Ausschlussgebiete machen noch kein Landschaftsbild und wenn die Frage, was denn nun wirklich passt, nicht in Ruhe gestellt und gemeinsam beantwortet wird, geht es chaotisch zu.

 


Palim Palim:
Ein Landbewohner will Zeiten der Energiewende seine Kulturlandschaft gestalten und sucht zur Beratung in einen „Fachhandel“ auf. Bald muss er erkennen, dass sich in der Logik der Fachplanung seine eigene Umgangsweise mit dem Raum nicht wiederfindet. Kriterien leuchten noch ein, aber Tabukriterien? Und was ist der Unterschied zwischen weichen und harten Kriterien? Entsteht so eine gestaltete Kulturlandschaft?

 


Schwarzer Peter:
Eines der größten Probleme der Energiewende für die Regionen liegt darin, dass fast alle Faktoren zu ihrer Beeinflussung außerhalb der Regionen liegen. Der Prozess hat also massive Auswirkungen auf die Landschaften, kann aber aus diesen heraus nur schwer gelenkt werden. Dieser Effekt verstärkt sich, wenn die Beteiligten ihre individuelle Verantwortung gezielt ausblenden und lediglich auf äußere Instanzen oder Zwänge verweisen. Der Schwarze Peter wird systematisch delegiert – somit erscheint die Energiewende als unbeeinflussbar.

 


Autarkie?
Viel wird im Zuge der Energieprobleme unserer Gesellschaft über Modelle der Autarkie gestritten. Einerseits sind große europäische Netzlösungen die Voraussetzung für eine erfolgreiche Umstellung auf regenerative Energien, zugleich ist eine erfahrbare Korrelation zwischen regionaler Produktion und Verbrauch die Voraussetzung für einen vernünftigen Umgang mit Energie. Wie lässt sich dieser Widerspruch lösen? Worauf vertrauen wir, wenn wir in einer offenen Situation sind – auf uns selbst oder auf andere?

 


Auf der Netzstation:
Die Erfahrungen der großen Netzbetreiber unter den gegenwärtigen Bedingungen gleichen einem turbulenten Seiltanz. In Anlehnung an das Reeperbahnlied wurden diese Erfahrungen komödiantisch verarbeitet: „Blechern klingts im Briefekasten: EEG, die Neuversion. Höh‘re Kosten, größ‘re Lasten, Stress für meine Netzstation. Immer mehr Erneuerbare drücken in unsern Stromverkehr. Strom ist eine heikle Ware, Nerven lass ich immer mehr. Wind weht, immer stärker, Räder drehn sich, ich sag nicht nein! Sonne scheint seit früh um neune, ja es pratzelt kräftig rein. Megawatt ach es sind zu viel, oh die Sonne ist hin, ne Wolke, ne Flaute und plötzlich bricht die Chose in. Auf der Netzstation tags um halb eins, ob du Grundlast hast oder hast keins, amüsierst du dich, oder eher nicht, auf der Netzstation tags um halb eins.Wer noch niemals bei Tag oder Nacht eine Abschaltung panisch gemacht, in Zwölfstundenschicht, ist ein armer Wicht, um den Schlaf ist man damit gebracht!“

 

 

 

 


 

 

Presse: <<< MOZ - Die Energiewende und der Unfriede im Oderbruch. Eindrucksvolle Performance Studierender

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