Programm Landschaftspolitische Bildung

Tauziehen im Oderbruch

Tauziehen im Oderbruch

Am Tau, Foto: Christina Schmidt

Nach dem landschaftskundlichen Projekt mit Grundschulen 2011 ist die Akademie für Landschaftskommunikation e. V. den nächsten Schritt gegangen, Wege zu raumbezogener Bildung zu erschließen.

Um die Landschaft ringen

Gemeinsam mit dem Kreis-Kinder- und Jugendring Märkisch Oderland e.V., dem Evangelischen Johanniter-Gymnasium Wriezen sowie der Oderbruch-Oberschule Neutrebbin erprobten wir im Herbst 2012 Unterrichtsideen für Landschaftspolitische Bildung. Im Zentrum stand, wie auch im letzten Jahr, das Oderbruch. Fächerübergreifend wurde diese Landschaft erkundet, in ihren Widersprüchen, Schönheiten und Herausforderungen diskutiert, um so mit Schülern und Lehrern ein gemeinsames Verständnis zu erarbeiten.

Nicht immer gestaltete sich das Erarbeiten konfliktfrei, musste doch an einigen Stellen erst dafür sensibilisiert werden, warum es sinnvoll ist, über die eigene Landschaft zu sprechen. Häufig waren zudem die Unterrichtsstunden auf Gesprächssituationen angelegt, denn Landschaften sind dadurch, dass wir sie uns als unseren Lebens- und Wirtschaftsraum teilen, spannungsreiche Räume. Über sie zu sprechen, heißt, sich dem Miteinander verschiedener Formen der Nutzungen und Ansprüche an den Raum bewusst zu werden. Name des Projektes war deshalb: Tauziehen im Oderbruch! Viele der Gespräche zeigten, dass sich die Jugendlichen Gedanken um die Zukunft des Oderbruchs machen und natürlich auch darum, ob es für sie eine Lebensperspektive bieten kann.

Im Gespräch mit den Lehrern wurde häufig auf den intensiven, fachübergreifenden Charakter der Unterrichtseinheiten verwiesen, und somit die Unterstützung eines wichtigen Ziels der Rahmenlehrpläne. Positiv zeigte sich auch, dass die Schüler das Angebot wahrnahmen, ihre Erfahrungshorizonte einzubringen.

In Wriezen fand die Arbeit in 10 verschiedenen Fächern vor allem in den neunten Klassen, aber auch in den Klassen 10 und 11 statt. Hier ein kurzer Einblick in die Themenschwerpunkte:

Tauziehen im Oderbruch


Politische Bildung
Das Oderbruch zwischen Selbst- und Fremdbestimmung. Die Schüler trugen als Ministerpräsident zum 275. Jahrestag der Trockenlegung eine Rede vor. Vorbereitet wurden die Reden durch eine Beschäftigung mit der Bühnencollage "Die schwere Kolonie".

Tauziehen im Oderbruch


Wirtschaft-Arbeit-Technik
Gemüse, Fisch und Veredlung - frühere starke Wirtschafts-beziehungen sind abgebrochen. Was ist heute regional-wirtschaftlich möglich? Auch hier griffen wir auf die Recherchen aus der Bühnencollage "Die schwere Kolonie" zurück. Zudem wurde anhand eines Warenkorbes darüber diskutiert, welche Produkte wir heute noch in der Region selbstherstellen und wie stark die Arbeit von Menschen an einen Raum gebunden sein kann.

 
Tauziehen im Oderbruch


Geschichte
Wir stellen das Oderbruch als Landschaft vor seiner modernen Umwandlung vor, beschrieben die massiven Eingriffe unter der preußischen Krone im 18. Jahrhundert und diskutierten, wie die moderne Landwirtschaft Schritt für Schritt das Leben in diesem Raum veränderte. Wir erstellten Zukunftsszenarien: Wo könnte ein Oderbrücher in 25 Jahren wohnen? Wovon würde er leben?

Tauziehen im Oderbruch


Religion
Motive im christlichen Glauben - und wo sie heute in der Landschaft zu finden sind: Das Beispiel des Hirten. Dafür griffen wir auf zahlreiche Bibelmotive zurück – etwa den 23. Psalm oder das Gleichnis vom verlorenen Schaf (Lukas 15). Anhand von zwei Dokumentarfilmen über Schäfer in Rumänien und auf den Äußeren Hebriden verschafften wir uns ein Bild von den gegenwärtigen weltweiten Umbrüchen in der Schäferei.

 
Tauziehen im Oderbruch


Musik
Eine aktive, junge Volksmusikszene im Ausland zeigt uns, wie andernorts der Charakter einer Landschaft in Text und musikalischer Umsetzung widergegeben werden kann. Und wie hört sich Musik über das Oderbruch an? Wir zeigten Ergebnisse des Liederfestes und probieren selbst ein Stück.

Tauziehen im Oderbruch


Deutsch
Wie die Landschaft zum Ausdruck eigener Empfindungen genutzt werden kann: anhand von Heine, Nietzsche und Bobrowski machten wir uns die Vielfalt von Landschaftslyrik bewusst. In eigenen Versuchen durch Elfchen führten wir diese Vielfalt weiter.

 
Tauziehen im Oderbruch


Kunst
Symbole können in Karten auf Besonderheiten einer Landschaft hinweisen. Wir entwickeln eine Bildsprache für das Oderbruch, die auch in anderen Fächern benutzt werden kann und den Diskurs darüber anregen soll, was hier typisch ist.

 

  • Das Oderbruch als dynamische AueDas Oderbruch als dynamische Aue
  • Das Oderbruch als dynamische AueDas Oderbruch als dynamische Aue
  • Das Oderbruch als dynamische AueDas Oderbruch als dynamische Aue
  • Das Oderbruch als dynamische AueDas Oderbruch als dynamische Aue
  • Moderne und traditionelle Landnutzung nebeneinander im Oderbruch der Zukunft.Moderne und traditionelle Landnutzung nebeneinander im Oderbruch der Zukunft.
  • Moderne und traditionelle Landnutzung nebeneinander im Oderbruch der Zukunft.Moderne und traditionelle Landnutzung nebeneinander im Oderbruch der Zukunft.
  • Moderne und traditionelle Landnutzung nebeneinander im Oderbruch der Zukunft.Moderne und traditionelle Landnutzung nebeneinander im Oderbruch der Zukunft.
  • Moderne und traditionelle Landnutzung nebeneinander im Oderbruch der Zukunft.Moderne und traditionelle Landnutzung nebeneinander im Oderbruch der Zukunft.

 

Biologie
Die Beeinflussung der Lebensräume durch den Menschen spiegeln wieder, was technisch möglich ist. Betrachtet wurden Etappen in der Entwicklung der Lebensräume. Wie sah das Oderbruch als dynamische Auenlandschaft aus? Was hat die Trockenlegung mit sich gebracht? Welche Lebensräume werden das Oderbruch in Zukunft prägen? Hinweise von Armin Hermann zur Flora des Oderbruchs wurden zur Entwicklung des Unterrichtsmaterials genutzt.

Tauziehen im Oderbruch


Englisch
Texte und Lieder über die Landschaft gehen darauf ein, wie es ist, der Heimat nah und fern zu sein.

Tauziehen im Oderbruch


Physik
Kräfte, die auf den Deich wirken.
Was bringen Rückverlagerungen im Deichschutz?
Geschichte: Von der Entwicklung der Landschaft
zum Oderbrücher der Zukunft.

 



Projekttag in Buschdorf

Für die Oderbruch-Oberschule wurde zusammen mit Thea Müller (Korbmacherin und Korbmachermuseum in Buschdorf), sowie dem Landschaftspflegeverband Mittlere Oder e. V. ein Projekttag in Buschdorf für die siebten Klassen der Schule durchgeführt. Dabei versuchten wir, verschiedene Perspektiven auf das Oderbruch von der Weide aus zu entwickeln, da dieser baum vielfältige Bezihungen zur Wirtschaft, Ökologie und Kultur dieser Landschaft aufweist. Hier griffen wir auf unser Randthema zur Weide als Brotbaum des Oderbruchs zurück. Vorbereitet wurde dieser durch Klassenunterricht in Biologie und Deutsch (s. o.).
Am Tag im Korbmachermuseum wurden die Schüler in Kleingruppen von Station zu Station geleitet, die, immer wieder orientiert an der Weide, sich dem Leben und Wirtschaften sowie dem Aussehen der Landschaft widmeten. Folgende Stationen wurden angeboten:

Tauziehen im Oderbruch


Wirtschaft-Arbeit-Technik
Wirtschaftliche Hintergründe zur Weide wurden als Quiz aufgearbeitet, deren Antworten für Überraschungen sorgte.

Tauziehen im Oderbruch


Kunst
Auseinandersetzung mit Weiden in unterschiedlichen Wuchs-formen, u. a. durch Wachsmaltechniken.

 
Tauziehen im Oderbruch

 


Biologie
Welche Weiden gibt es und wie kann man diese voneinander unterscheiden? Wir konzentrierten uns auf die Wuchsformen. Hier stellt sich schnell heraus, dass es natürliche und altersbedingte Wuchsformen, aber auch durch den Menschen beeinflusste Formen, wie die Kopf-Weide gibt. Wir legen diese Formen mit Papierschnipseln nach und versuchen sie auch in der Gruppe nachzustellen.

Tauziehen im Oderbruch


Deutsch
An der Schreibstation werden verschiedene Möglichkeiten zur Auseinandersetzung mit dem Leben im Oderbruch und der Einbeziehung der Weide als Ausgangspunkt gegeben. Dabei entstehen Phantasie- aber auch Liebes-Geschichten, Reime und Elfchen.

Tauziehen im Oderbruch


Museumsführung
Zahlreiche Geschichten weiß Thea Müller über die Weide und die Ausstellungsstücke im Korbmachermuseum zu berichten. Abschließend konnten die Schüler sich selber am Flechten eines Zaunelementes probieren: Gar nicht so einfach!

 

Detaillierte Darstellungen der Unterrichtsstunden, die im Gymnasium und der Oberschule erprobt wurden, sowie die Beschreibungen der Stationen des Weidentags in Buschdorf finden Sie auf: www.tauziehen-im-oderbruch.blogspot.de.

Bei Fragen zur landschaftlichen Bildung können Sie sich gerne an Anne Hartmann wenden.
Kontakt: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

 

Pressespiegel:
<<< "Tauziehen im Oderbruch" geht weiter" - MOZ -16.01.2013
<<< "Das Oderbruch als Unterrichtsfach“ - MOZ - 02.11.2012