Kopfweidenpflege

 

Von Toralf Schiwietz

Kopfweidenpflege

Abb. 1: Erstpflege Kopfweiden
(Autor: Schrödl & Joachim In: DVL 1998)

Kopfweidenpflege

Geschnittene Kopfweiden
(Foto: LPV/Schiwietz)

Kopfweidenpflege

Abb. 1: Erstpflege Kopfweiden
(Autor: Schrödl & Joachim In: DVL 1998)

Kopfweidenpflege

Kopfweide (Foto: LPV/Wilke)

Kopfweidenpflege

Setzstangen an Kopfweiden-Allee bei Kienitz
(Foto: LPV/Schiwietz)

Kopfbäume sind eine Zierde unserer Städte, Dörfer, Landschaften. Sie sind keine eigenen Pflanzenarten, sondern das Ergebnis eines regelmäßigen Pflegeschnitts – dem „Köpfen“ oder „Kröpfen“. Pappeln, Eschen, Linden, Ulmen lassen sich zu Kopfbäumen erziehen. Einigen Landschaftsgärtnern gelang das auch bei Robinien. Diesen wenigen Fällen stehen unzählige Kopfweiden gegenüber, die vor allem die grundwassernahen Niederungslandschaften prägen.

Auch bei den Kopfweiden kann es sich um verschiedene Arten handeln. Vor allem Silber- (Salix alba) und Bruchweiden (Salix fragilis) dominieren z.B. die charakteristischen baumartigen Bestände im Oderbruch. Die niedrigwachsenden Korbweiden (Salix viminalis) kommen als Kopfweiden dort hinzu, wo die mittlerweile sehr seltenen Korbflechter das Rohmaterial für ihr Handwerk gewinnen. Neben ihrer ästhetischen und wirtschaftlichen Bedeutung für uns Menschen spielen Kopfweiden eine sehr große Rolle für die Tier- und Pflanzenwelt. Hierbei wirkt sich besonders das schnelle Wachstum der Bäume und der schnellere Zersetzungsprozess im Stammholz aus. Denn der regelmäßige Schnitt bewirkt im Verlauf der Jahre Verletzungen der Baumrinde, die das Eindringen u.a. von Pilzen erleichtern und diesen Prozess begünstigen.

Eine Kopfweide kann somit bereits nach 30 - 40 Jahren eine stattliche Dimension und einen Reifezustand (Höhlenreichtum; Mulm) erreichen, für die andere Baumarten mehr als doppelt so lange benötigen. In dieser Phase stellen die dann oft auch bizarren Kopfweiden den Lebensraum einer einzigartigen Vielfalt an Tier- und Pflanzenarten dar. In Landschaften, die arm an sehr alten Bäumen und vergleichbaren Strukturen sind, bieten sie somit eine echte Überlebenschance für seltene Tierarten, z.B. den europaweit gefährdeten Juchtenkäfer (Osmoderma eremita).

Was kann man nun zum Erhalt der Kopfweiden tun? Mit dem Setzen einer bis 10 cm starken und 2,5 m hohen und geraden Setzstange beginnt das gewöhnliche Leben einer Kopfweide. Hierbei gilt es zu beachten, dass Weiden zweihäusige Pflanzen sind und zur Erhaltung der Vielfalt sowohl männliche als auch weibliche Pflanzen genutzt werden – ein Aspekt, der sich auch auf die Funktion der Weiden als Nahrungsquelle für Bienen (Bienenweide) deutlich auswirkt.

Die Stangen werden im vorangegangenen Winter beim Köpfen anderer Kopfweiden gewonnen und zu einem Drittel in den Boden gesetzt. Die dann im Frühjahr an den Setzstangen erscheinenden Triebe werden bis auf die, die sich im Kopfbereich befinden, sauber und nahe am Stamm beschnitten. Dieses Abasten setzt man in den 2 - 3 Folgejahren im Mai/Juni fort, so dass die Kopftriebe gefördert werden.

Erst danach (3. - 5. Standjahr) erfolgt vorzugsweise an frostfreien Tagen des auslaufenden Winters der Rückschnitt des gesamten Kopfes, wobei Aststümpfe von ca. 5 cm am Kopf für Neuaustriebe belassen werden (vgl. Abb. 1). In den Folgejahren können dann Auslichtungsschnitte zur Stärkung des Kopfes vorgenommen werden, ein kompletter Kopfschnitt sollte dann aber erst im ca. 10. Standjahr erfolgen.

Ältere Kopfweiden werden frühestens nach 5 Jahren geschnitten, um die Schwächung der Bäume zu vermeiden. Als Orientierung kann hierbei die Aststärke dienen - sie sollte 10 cm nicht übersteigen. Bei derart starken Ästen sollte dann auch mit Fällkerben gearbeitet werden, damit sie nicht einreißen und Verwundungen der Rinde verursachen (vgl. Abb. 2).

Nach dem finalen Kopfschnitt verbleiben ca. 5 cm lange, schräge Aststümpfe, auf denen Regenwasser leicht abfließen kann. Für die Verwertung des Schnittgutes gibt es ein traditionell breites Spektrum. Sowohl Stark-Äste als auch Reisig liefern Brennholz für Heiz- bzw. Backöfen, Ruten können zum Flechten von Körben oder auch „grünen“ Zäunen genutzt werden (die Bruchweide ist für letzteres aufgrund ihrer namensgebenden Eigenschaft, leicht zu brechen, nicht geeignet). Des weiteren lassen sich Setzstangen gewinnen, geschreddertes Schnittgut als Mulchmaterial im Garten oder als getrocknete Holzhackschnitzel zur Wärmeerzeugung in speziellen Heizanlagen nutzen.

Besondere Verwendungsmöglichkeiten von Weidenreisig und –schnittgut stellen der Verbissschutz an Gehölzpflanzungen oder aber auch die Ablenkfütterung des bei uns wieder heimischen Bibers dar. Da die Zersetzung des Reisigs zur Anreicherung von Nährstoffen führt, sollte das Belassen auf der Fläche Ausnahmefällen vorbehalten bleiben. Zur Klärung weiterführender Fragen, insbesondere auch zur Beachtung rechtlicher Erfordernisse hinsichtlich Schnittzeitpunkte und Eigentumsrechte, können Sie sich an die Gemeindeverwaltungen, die Naturschutzbehörde oder die MitarbeiterInnen des LPV Mittlere Oder wenden.

 

Quelle:DVL (1998): Hinweise zur Biotop- und Landschaftspflege – Kopfweiden. - Beutel. 7 Seiten.

 

Kontakt:
LPV Mittlere Oder e.V.
Lindenstraße 7
15230 Frankfurt (Oder)
Tel.: 0335 6803179
Fax: 0335 6067533
eMail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

 

 

 

Weitere Beiträge:
<<< Brennholz, Korb und Oderlix – Die Weide als Brotbaum des Oderbruchs.
<<< Kurzumtriebshecken an Gewässern. Von Patrick Thur
<<< Design für die Region – diplom:oder:bruch / Oderlix. Von Stefanie Silbermann