Inmitten schwieriger Auseinandersetzungen

Vortrag von Helga Scholz, Ortsvorsteherin in Altmädewitz
Gehalten am 9. März bei der Veranstaltung "Brandreden" im Theater am Rand
und am 10. März 2013 bei der Bürgerversammlung Oderaue in Neureetz

Ein Vortrag von Helga Scholz

Helga Scholz ist Ortsvorsteherin von Mädewitz.

Ein Vortrag von Helga Scholz

Hübsch sieht die Straße von Altreetz durch Mädewitz aus, besonders im Sommer.

Ein Vortrag von Helga Scholz

Wer hier aber mit dem Fahrrad oder gar zu Fuß unterwegs ist, muss schnell einmal in den Straßengraben ausweichen, wenn ein Schwerlasttransport heranrollt.

Ein Vortrag von Helga Scholz



Ein Vortrag von Helga Scholz

Der Blick auf die Felder hinter Atmädewitz könnte sich verändern: Visualisierung von Windkraftanalgen bei Altmädewitz (Eva Gruhl, TU Desden).

Ein Vortrag von Helga Scholz

 





Zu den Windrädern möchte ich anmerken, dass auch ich für alternative Energie bin, aber bitte da wo sie hinpasst und nicht stört und die Lebensqualität nicht beeinträchtigt. Es gibt noch viele hügelige Gebiete mit kargen Böden, wo auch die Windausbeute viel größer ist, als in unseren Niederungen mit hohen Bodenwertzahlen, also mit sehr fruchtbaren Äckern. Wenn ich in die südliche Richtung fahre, z.B. nach Letschin oder Bliesdorf, dann ist mir nicht wohl und die vielen Windräder machen Angst.

In Oderaue soll nach dem Willen der Gemeindevertretung ein Windpark mit ca. 20 Windrädern entstehen, die eine Höhe von je 140 m und einen Rotorendurchschnitt von 112 bis 125 m haben. Wenn ich durch unsere Dörfer fahre, sehe ich fast ausnahmslos Häuser, die von ihren Eignern mit viel Mühe und hohen Kosten liebevoll und zu einem großen Teil in ihrem ursprünglichen Zustand hergerichtet wurden. Ich denke, auch aus Respekt vor diesen Hausbesitzern sollte man als passende Ergänzung ein Stück Oderbruch in seiner Ursprünglichkeit belassen und bewahren, ganz abgesehen von der Wertminderung der Häuser, die mit den Windparks einhergehen.

Es gibt noch ein weiteres Problem. Ich spreche dazu als Ortsvorsteherin des Ortsteiles Mädewitz in Oderaue.
Nach Bekanntgabe, dass in Altmädewitz eine Biogasanlage entstehen soll, werde ich oft von Eltern und vorwiegend älteren Bürgerinnen und Bürgern angesprochen, die ihre Sorgen zum Ausdruck bringen. Dabei geht es um Folgendes:
Altreetz als Zentrum mit Arztpraxis, Schule, den Sportanlagen, Fleischer und Landwarenhaus, um hier die wichtigsten und notwendigsten Einrichtungen zu nennen, wird von vielen Bürgerinnen und Bürgern und besonders in warmen Monaten auch von vielen Schulkindern (es sind ca. 25 in Mädewitz) und sehr vielen Touristen mit dem Fahrrad angefahren.
Altreetz ist aber nur über die L 28 zu erreichen, jedenfalls von Mädewitz aus.

Wir wissen, dass die L 28 von Neukietz bis Altreetz neu ausgebaut wurde.

Nach dem Ausbau gab es bereits viele Proteste von Radlern und Eltern mit Schulkindern, die oft in den Straßengraben ausweichen müssen, wenn ihnen Schwerlaster begegnen oder sie überholen. Die Straße ist nicht mehr so breit wie die vorhergehende, wird man von Lastern vom Straßenkörper gedrängt, muss man runter vom Rad - einen Beiweg oder Nebenweg gibt es nicht. Manchmal landet man auch im Straßengraben. Selbst die Landwirte beschweren sich über die schmalere Landesstraße, da die Technik immer größer wird. Jetzt werden die Proteste der Bürgerinnen und Bürger bedeutend stärker, da zwischen Alt- und Neumädewitz drei Hähnchenmastställe mit insgesamt 150.000 Tieren je Durchgang entstehen und der Schwerlastverkehr stark zunehmen wird. Sämtlicher Dung von dieser Neuanlage aber auch von den bestehenden Entenmastställen in Altmädewitz wird zur neu entstehenden Biogasanlage über die L 28 transportiert. Es werden Tiere an- und abtransportiert und Futter wird angefahren und das alles mit Großtransportern - nicht etwa mit kleineren LKW. Sicher werden noch Zulieferer z.B. mit Mais, die nicht zu Oderaue gehören, die Biogasanlage beliefern, was einen zusätzlichen Schwerlastverkehr für die L 28 bedeutet.

In der Gemarkung Altwriezen entsteht eine weitere Hähnchenmastanlage mit 84 000 Tieren je Durchgang. Ich glaube, dass An- und Ablieferungen ebenfalls über die L 28 durch Mädewitz vollzogen werden, da nach meinem Wissen die Stadt Wriezen eine Straßennutzung in Altwriezen zur entstehenden Hähnchenmastanlage mit Schwerlastern untersagt hat. Ich kann nur sagen: arme Häuser, besonders in Neumädewitz, die dicht am Straßenkörper stehen und außerdem eine sehr marode Straße vor sich haben.
Wenn alles fertiggestellt ist wird der Scherlastverkehr nicht abreißen.

Es ist geplant, eine Straße, ausgerichtet für den Schwerlastverkehr, vor Altmädewitz über die Feldmark bis hin zur Biogasanlage zu bauen. Ich kenne nicht die Baukostensumme dieser Straße, die sich vielleicht im Millionenbereich bewegt, weiß aber, dass der Erbauer dieser Straße auch der Erbauer bzw. der Investor der Biogasanlage ist.

Warum trage ich das alles vor? Ich sag's Ihnen! Wer so ein großes Industrieobjekt mit einer Straße in den fruchtbaren Acker setzt – da müsste doch noch ein bisschen Geld für einen etwa drei Kilometer langen Radweg vorhanden sein!

Daher ist meine Forderung an die Planer, den Bauherren eine Auflage zu erteilen, zur Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger einen Radweg zwischen Neukietz und Neumädewitz, zwischen Neu- und Altmädewitz und zwischen Altmädewitz und Altreetz zu erstellen. Ich rate allen, die L28 durch Mädewitz und Neukietz näher zu betrachten, um die Sorgen unserer Bürger zu verstehen. Zwischen Alt- und Neureetz gibt es bereits einen Radweg und die Menschen sind glücklich damit.
Ich kann Ihnen versichern – mein Kampfgeist ist geweckt und ich werde alle Instanzen auf dieses Problem hinweisen. Um mein Anliegen durchzusetzen, bitte ich den Amtsdirektor um Unterstützung. 

Zum Schluss noch eine persönliche Anmerkung meinerseits:
Ich wohne am ehemaligen Bahnhof und jetzigen Radweg in Altmädewitz und habe – satirisch gemeint – ein schönes Panorama rundherum.

Nördlich in Altmädewitz die zu entstehende Biogasanlage, südlich ca. 400 m die Hähnchenmastanlage, westlich – und zwar genau wo mein Garten und die Gärten der Nachbarn enden – stehen die vier oder fünf Entenmastställe, ungefähr 30 m von meinem Haus entfernt. Dahinter beginnt nach dem Willen der Gemeindevertreter der heiß begehrte Windpark. Zum Gestank und Ungeziefer kommen dann noch Rotorengeräusche und Schattenwürfe hinzu.

Wir alle wissen, dass in Kohlegebieten ganze Ortschaften umgesiedelt wurden.
Mein Vorschlag wäre, uns ebenfalls umzusiedeln und das Oderbruch zum Energieindustriegebiet mit Massentierhaltungen umzuwandeln, zum Wohle der Investoren und der Landbesitzer.