Steckbriefe von Dörfern im Oderbruch

Blick in die einseitig bebaute Straßenflucht von Königlich Reetz, 2016

Steckbriefe von Dörfern im Oderbruch

Gewerbe war überall: Postkartenausschnitt mit Verweis auf ein Materialwarengeschäft

Steckbriefe von Dörfern im Oderbruch

Der Hof der Adlig Reetzer Nummer 44 gehört zu den großzügigsten und bedeutendsten Kolonistenstellen des Dorfes

Neureetz

Steckbriefe von Dörfern im Oderbruch VII

Von Udo Schagen

In einer Initiative der Gemeinde Oderaue für Hinweisschilder mit kurzen Ortsporträts zur Information von Besuchern (und sicher auch von Bewohnern) schrieb Udo Schagen unter Mitwirkung von Ortsvorstehern und interessierten Bürgern im Jahr 2016 kleine Steckbriefe, die wir hier nach und nach veröffentlichen. Damit einher geht die freundliche Bitte an Menschen im ganzen Oderbruch, ebenfalls kurze Beschreibungen ihrer Dörfer zu schreiben. Wir veröffentlichen sie gern!

 

Der 1952 gebildete Ortsteil Neureetz von Oderaue hat seinen Ursprung in zwei Siedlungen, die nach der Oderbegradigung Mitte des 18. Jh. entstanden. Sie lagen im gewonnenen Land der Gemarkung Reetz am alten, dort fließenden Hauptstrom. Slawisch „retz“ bezeichnet eine Siedlung am Flusse.

Ursprünglich hießen die Dörfer Adelich und Königlich Reetz, wie heute ihre Straßennamen - in der DDR-Zeit und dann noch bis 2005 ehrten sie Ernst Thälmann und August Bebel.

Adlig Reetz musste vom das neue Land besitzenden Adel auf königliche Weisung angelegt werden. 57 Kolonistenfamilien fanden rechts und links des der Entwässerung dienenden Schachtgrabens in der Dorfdoppelzeile Platz. 19 Kolonisten auf der Nordwestseite erhielten je 45 Morgen und 38 südöstlich des Grabens je 10 Morgen Land, heute noch nach der Größe der Häuser unterscheidbar. 1814 vernichtete ein Brand fast alle Gebäude. Der Wiederaufbau schuf mit den Nummern 15, 20, 29, 31, 42, 44 und 47 Beispiele der damaligen Bauweise mit regional typischen Eingangslauben, besonders schönen Haustüren und Schaugiebeln der sogenannten Maurermeister-Renaissance. Nach Zuschüttung des Schachtgrabens (1840), entstanden die sehenswerten Vorgärten.

Königlich Neu Reetz wurde auf einer dem König gehörenden Domäne als einzeiliges Straßendorf zur Alten Oder hin errichtet, so dass 1755 auch hier 58 Siedlerfamilien eine neue Heimat fanden, 20 Familien auf je 45 Morgen und 38 einschl. Schulmeister und Hirte auf je 10 Morgen Land. Auf dem Friedhof erinnert eine Grabstätte an die Eltern des regional bedeutenden Heimatdichters Gustav Schüler (1868-1938), der im Haus Nr. 23 seine Kindheit verbrachte. Die Nr. 53 von 1840 erinnert mit ihrer Anlage an ein ehemaliges Vierseitgehöft eines 45-Morgen-Kolonisten. Für beide Ortsteile mit mehrheitlich ev.-lutherischen Gemeindemitgliedern, wenigen Reformierten oder Katholiken, war die Pfarre in Neuküstrinchen zuständig.

Mit der Gründung der LPG „Thomas Müntzer“ kam es zur Errichtung der Großstallanlagen am südöstlichen Ortsrand (heute Genossenschaft Agrarprodukte Altreetz e.G). Gewerbe betreiben Malermeister E. Hübner, Dachdeckerei/Zimmerei R. Desem, Fuhrunternehmen B. Jendritzki, Innenausbau/Montage O. Grein.

Etwa 290 Menschen leben hier.